> > > > > 15.03.2013
Montag, 20. Mai 2019

1 / 3 >

Philharmonie Berlin, Copyright: Manfred Brückels

Philharmonie Berlin, © Manfred Brückels

Berlin im Wagner-Rausch

Von Mythen und Helden

Deutsche Oper, Staatsoper und nun auch die Philharmonie feiern den 200. Geburtstag des Komponisten mit einem gewichtigen Programm. Berlin war schon immer eine Reise wert in Sachen Wagner. Marek Janowski, für den seit langem die Werke des Komponisten einen Schwerpunkt bilden, dirigierte nun den gesamten 'Ring des Nibelungen' in der Berliner Philharmonie. Das hatte schon einen Hauch des Besonderen für viele Musikliebhaber. Gerade die jüngere Generation wird wohl noch nie einen 'Ring' ohne konzeptionelle Regie-Verbiegungen erlebt haben. Viele Menschen waren daher dankbar, eine konzertante Version erleben zu können.

Prima la Musica

Janowski hat seit seinem Antritt 2002 beim Rundfunk-Sinfonieorchesterorchester Berlin alle zehn großen Wagneropern mit diesem Orchester aufgeführt, und diese Konzerte sind als Mitschnitte auf SACD zu erhalten. Der Dirigent hat sich seit geraumer Zeit von Operndirigaten distanziert, da für ihn viele szenische Konzepte gegen die Musik agieren. Mit seiner Arbeit als Chefdirigent des RSB hat Janowski zudem das Orchester bestens positioniert für den Kampf ums Überleben, der aktuell schon eingesetzt hat und auch Berlin nicht verschonen wird. Hier ist sicherlich die Schirmherrschaft des Wagner-Projekts durch Bundestagspräsident Norbert Lammert ebenfalls hilfreich.

Dennoch war dieser Abend für mich ein merkwürdiger. Es fing schon damit an, dass ich einen Platz erhielt, den ich lange suchen musste. Trotz vieler Besuche in der Philharmonie war mir nie bewusst geworden, dass es ganz oben, unter dem Dach, neben einigen Scheinwerfern, noch Sondersitze gibt. Leider ist die hoch gepriesene Akustik der Philharmonie hier kläglich. Außer Trompeten und Pauken drang nicht viel an mein Ohr, dort auf schwindelerregender Höhe. Da die Sicht zudem auf eine seitliche Perspektiven beschränkt war, kam auch der Gesang recht verzerrt an. Über den ersten Akt kann ich daher nichts sagen.

Der Kampf um einen hörtauglichen Platz

Nach der ersten Pause durfte ich - mein Dank an die Orchestermitarbeiter - eine Ebene tiefer sitzen. Von dort aus konnte ich dem Dirigenten nun ins Gesicht schauen. Aus dieser Perspektive entstand bei mir der Eindruck, dass das RSB, trotz großer Routine, letztendlich kein Opernorchester ist. Es fehlte ihm an diesem Abend doch die notwendige Flexibilität sowie eine bezwingende Homogenität, was in den Gesangspassagen hinderlich wirkte. Die Klangsprache kann zuweilen durchaus als ruppig bezeichnet werden, besonders im Forte und während der langen Monologe.

Überraschenderweise dirigierte Marek Janowski etwas zu abgeklärt. Ein Hauch von Routine war nicht zu übersehen, gerade, wenn man hinter dem Orchester seinen Platz hatte. Eine etwas registerartige Dynamik hemmte den großen Fluss von Wagners grandioser Komposition. Die wagnertypische steigerungsfähige Intensität der Musik fehlte mir an diesem Abend gänzlich, wenngleich die großen orchestralen Momente grandios herausgearbeitet wurden. Unsicherheiten bei den Bläsern waren dennoch auffallend; von den Streichern konnte ich auf meinem Platz nicht allzu viel vernehmen.

Gesanglich ein Wagnis?

Fangen wir mit Matti Salminen als Hagen an. Viel Ehre hat er sich ersungen in all den Jahren, auf allen wichtigen Bühnen der Welt. War das nun seine Abschiedsvorstellung? Man hätte ihm eine bessere stimmliche Verfassung gewünscht. Petra Lang ist als fabelhafter Mezzosopran bekannt sowie als eine höchst musikalische Sängerin, die jede Phrase aussingen kann, zudem noch schöne Legato-Bögen mit ihrer weichen Stimme zu gestalten weiß. So war es auch hier mit der Brünnhilde, wenngleich ihre Stimme mit der dramatischen Höhe dieser Partie doch so manche Schwierigkeiten hatte.

Der verräterische Siegfried, der Brünnhildes Treue bis in den Tod eigentlich nicht verdient hat, war mit Lance Ryan ordentlich besetzt - sieht man davon ab, dass Sprechgesang das favorisierte Gestaltungsmittel heutiger arrivierter Heldentenöre zu sein scheint. Bis zum Schlussgesang versteckte Lance Ryan seine lyrischen Fähigkeiten, gefiel dann allerdings mit einem schönen Abgesang, der Innigkeit und Legato besaß.

Durchaus beachtlich agierten dagegen Bariton Markus Brück und Jochen Schmeckenbecher alias Gunther und Alberich. Mit stimmlicher Süße und Sinnlichkeit konnte Edith Haller beeindrucken. Äußerlich war sie zudem eine glaubhafte Gutrune. Marina Prudenskaja alias Waltraute besitzt einen warmen Mezzosopran, den sie gekonnt einsetzte, wenngleich die Szene Brünnhilde/Waltraude intensiver hätte gestalten werden können. Das gilt letztendlich für den gesamten Abend. Auch konzertante Opern sollten eine darstellerische Dramatik erreichen. Auf diese ist hier wohl verzichtet worden, zum Vorteil eines perfekten Mitschnitts; Bewegungen hätten vielleicht die Aufnahmetechnik gestört.

Last but not least

Über die drei Nornen kann ich, wegen des eingangs beschriebenen Problems, nichts sagen, außer deren Namen nennen: Susanne Resmark (Erste Norn), Christa Mayer (Zweite Norn), Jacquelyn Wagner (Dritte Norn) klangen fernab aus der Tiefe. Erfrischend lebendig dagegen die Rheintöchter: Julia Borchert (Woglinde), Katharina Kammerloher (Wellgunde) und Kismara Pessatti (Floßhilde), die ich sogar vis à vis erleben konnte. Der Rundfunkchor Berlin präsentierte sich bestens vorbereitet von Eberhard Friedrich.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Midou Grossmann



Kontakt zur Redaktion


Wagner: Die Götterdämmerung: RSB - Philharmonie Berlin 15.3.2013

Ort: Philharmonie,

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Rundfunkchor Berlin (Chor), Eberhard Friedrich (Chorleitung), Marek Janowski (Dirigent), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Orchester), Marina Prudenskaja (Solist Gesang), Edith Haller (Solist Gesang), Markus Brück (Solist Gesang), Matti Salminen (Solist Gesang), Petra Lang (Solist Gesang), Lance Ryan (Solist Gesang)

Jetzt Tickets kaufen
Detailinformationen zum Veranstalter Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Erich Wolfgang Korngold: Eine Nacht in Venedig - Quartett

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich