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Dienstag, 25. Januar 2022

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Beethovenhalle Bonn, Copyright: Leonce49=Hans Weingartz

Beethovenhalle Bonn, © Leonce49=Hans Weingartz

New York Philharmonic beim Bonner Beethovenfest

Schon mal von Beethoven gehört

Gleich zwei Jubiläen hat man in diesem Jahr bei den New Yorker Philharmonikern zu feiern. Zum einen brach das Orchester vor genau 75 Jahren zu seiner ersten Europa-Tournee auf und zum anderen feiert Lorin Maazel, der seit drei Jahren Music Director der New Yorker ist, ebenfalls seinen 75. Geburtstag. Während ersteres ganz offiziell mit der '75th Anniversary Tour' gefeiert wird, mutet letzteres eher schicksalhaft an. Aber sei es wie es ist, diese Europa-Tour, die auch Maazel zum ersten Mal als musikalischen Leiter dieses Orchesters nach Deutschland bringt, ist etwas ganz besonderes. Für fast jede Stadt hat man ein eigenes Programm vorbereitet, auch wenn im Mittelpunkt ganz eindeutig Werke von Richard Strauss und Dvoraks neunte Sinfonie stehen. Letztere hat ebenfalls symbolischen Charakter, wurde sie doch von den New Yorkern uraufgeführt und stand auch vor 75 Jahren auf dem Programm.

Die Konzertreise des Orchesters gestaltet sich hierzulande als Happening der größeren Art, mit seit Monaten ausverkauften Hallen und Vorschusslorbeeren allerorten. So waren auch in Bonn, wo das Orchester innerhalb des Beethovenfestes gastierte, schon mit Beginn des Vorverkaufs kaum noch Karten zu bekommen. Was Maazel und 'sein' Klangkörper, den er bereits als Zwölfjähriger zum ersten Mal dirigierte, dann musikalisch boten, wurde jeder Erwartung nicht nur gerecht, sondern rief Momente von Begeisterung und zuweilen auch Staunen hervor.

Ausgewählt hatte man neben Dvoraks Opus, Richard Strauss' 'Don Juan' op. 20 und die 'Rosenkavalier-Suite' op. 59. Ungewohnt die dramatische Konzeption, die die Sinfonie an den Anfang stellte. Und so begann das Konzert mit den reichhaltigen Melodien 'Aus der Neuen Welt'. Lorin Maazel ließ das Werk als großes Ganzes interpretieren, das schon in der erstmaligen Vorstellung aller Themen auf das dramatische und pompöse Finale hindeutet. Beinahe greifbar wurde die immense Energie und Aggressivität, die die Philharmoniker in das Werk hineinlegten. Die Eingangsakkorde zum zweiten Satz wiesen über sich hinaus auf ein gewaltiges Ende, das Dirigent und Orchester in überwältigender Kraft und Synchronie zelebrierten. Durch das gesamte Werk hindurch betonte Maazel vor allem die Blechbläser, die sich laut schmatzend und dominant hervortaten, als wäre die Beethovenhalle gleich doppelt so groß. Das mag manchem störend aufgestoßen sein, war aber in der Interpretation nur konsequent. Auffallend durch das ganze Konzert war neben der hohen Virtuosität des gesamten Klangkörpers das schier unglaubliche Zusammenspiel, das bei Unisono-Akzenten zum Tragen kam. Nicht zu Unrecht schwärmt Maazel bei jeder Gelegenheit von den Fähigkeiten 'seiner' Philharmoniker.

Auch in den Werken Richard Strauss' fand sich dieses bemerkenswerte Zusammenspiel, das sich durch alle Stimmungen von düsterer Morbidität über unbekümmertes Schwelgen bis hin zur überschwänglichen Walzerlaune zog. Ein wahres Füllhorn an musikalischen Eindrücken eröffneten die Musiker mit ihrem musikalischen Leiter, der alle Werke auswendig dirigierte.

Ein solch fulminantes Konzert verlangte natürlich nach einer Zugabe, die natürlich nur Beethoven heißen konnte, denn 'Obwohl die Stadt New York soweit entfernt von der Stadt Bonn liegt, haben wir schon einmal etwas von Beethoven gehört', wie Maazel bekannte. Und so verabschiedete man sich mit einer grandiosen 'Egmond-Ouvertüre' die wie alle Werke des Abends mit minutenlangem Beifall und stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Kritik von Daniel Röder



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New York Philharmonic:

Ort: Beethovenhalle,

Werke von: Antonín Dvorák, Richard Strauss, Ludwig van Beethoven

Mitwirkende: Lorin Maazel (Dirigent), New York Philharmonic Orchestra (Orchester)

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Detailinformationen zum Veranstalter Beethovenfest Bonn

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