> > > > > 27.01.2013
Donnerstag, 21. März 2019

Zwei Winterreisen, drei Diskurse

Zustand statt Handlung

"Die Winterreise" von Wilhelm Müller kann man nicht oft genug lesen, die 'Winterreise' von Franz Schubert nicht oft genug hören. Das Werk weitet seinen Horizont und präzisiert ihn zugleich bei jeder Wiederholung. Ein rückhaltlos freudiges Experiment war es deshalb, dass das Werk in der Berliner Philharmonie gleich zweimal zu Gehör kam, jeweils leicht ins Ungewohnte gekippt: einmal mit Sopran und Klavier, einmal mit Tenor, aber in der Bearbeitung von Normand Forget, die das Klavier durch Akkordeon und Bläserquintett ersetzt. Als wäre es an dieser Fülle der aufschlussreichen Differenzen noch nicht genug gewesen, gab es zwischen den beiden 'Winterreisen' noch ein Gespräch von zwei ausgewiesenen Schubert-Kennern, namentlich Alfred Brendel und Peter Gülke. In lockerem Ton tauschten sie sich über die biographische und musikhistorische Situation Schuberts im Allgemeinen und seiner Liedproduktion im Besonderen aus. Schwerpunkte lagen hier auf dem Quantensprung vom geselligen Lied hin zum Kunstlied (mit mehreren launigen Bemerkungen zur zweifelhaften Qualität eines singenden Salons), den Schubert vollbracht hatte und der uns, so Gülke, heute leider zu selbstverständlich sei, sowie auf Schuberts Beziehung zu Beethoven. Mit einer stupenden Detailkenntnis und mit beredter Spontaneität wurde hier Musikgeschichte aufgefaltet, das verharmloste Schubert-Schwammerl-Bild aufgeraut, spielerisch und virtuos. Das beglückte nicht nur den Kopf, das schärfte auch die Ohren – nicht erst, als es Alfred Brendel aus dem Sessel hob und ans Klavier zog, um die Einleitungen von 'Im Dorfe' und 'Gute Nacht' anzuspielen.

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Kritik von Tobias Roth



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Winterreise: Prégardien, Schäfer, Brendel, Gülke

Ort: Philharmonie,

Werke von: Franz Schubert

Mitwirkende: Christine Schäfer (Solist Gesang), Christoph Prégardien (Solist Gesang), Eric Schneider (Solist Instr.)

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