> > > > > 03.05.2012
Dienstag, 25. Januar 2022

Robert Schumann

Ein wechselvoller Konzertabend in Ludwigshafen

Mit Höhen und Tiefen

So ganz sicher waren sie nicht, die Musikerinnen und Musiker der in Parma ansässigen und als musikalisches Aushängeschild der Fondazione Arturo Toscanini fungierenden Filarmonica Arturo Toscanini, die am vergangenen Donnerstagabend im BASF-Feierabendhaus unter Leitung des Dirigenten Israel Yinon das vierte und letzte Konzert der Reihe 'The Big Four' bestritten. Erhebliche Unsicherheiten konnte man bei dem personell recht jung besetzten Orchester, das in diesem Jahr sein erst zehnjähriges Bestehen feiert, gleich zu Beginn bei der Wiedergabe von Ottorino Respighis im Konzertsaal eher selten erklingender fünfsätziger Orchestersuite 'Gli Uccelli' vernehmen: Die raffiniert und durchsichtig instrumentierte Folge von Vogelstimmen-Stücken, vom Komponisten 1927 aus barocker Cembalomusik u. a. von Jean-Philippe Rameau, Bernardo Pasquini und Jacques de Gallot zusammengestellt, hätte eindeutig mehr Probenarbeit erfordert. Stattdessen gingen viele Feinheiten der Partitur in ungenauem Zusammenspiel und stellenweise problematischer Intonation der Holzbläser unter. Allein der Ansatz zu klangvollem Spiel konnte, vor allem in den langsamen Sätzen, hierfür ein wenig entschädigen.

Zur zweiten Enttäuschung des Abends geriet die Cellistin Natalia Gutman, die Grande Dame ihres Faches, die allerdings mit 70 Jahren den Zenit ihrer Kunstfertigkeit deutlich überschritten hat. Robert Schumanns Violoncellokonzert a-Moll op. 129 erklang hier in einer zähen Darbietung, die von Anfang an eher mühevoll und steif denn lebendig wirkte: Abgerissene Phrasen, stark gedehnte Auftakte und ein etwas leierndes Vibrato waren die Elemente, die in den raschen Teilen den Vortrag der Solistin bestimmten, während Gutman im ruhigen Mittelabschnitt mit runder Formung des Tons zumindest eine Ahnung von ihren Fähigkeiten geben konnte. Der oft schleppende Duktus machte es für Yinon und die Filarmonica Arturo Toscanini schwierig, die Spannung der Musik zu halten, so dass das Werk in kleine Abschnitte zerfiel, die sich nicht so recht zu einer Einheit fügen mochten. Beachtlich war jedoch die Zurückhaltung bei gleichzeitiger Klangschönheit im Orchester, der es zu verdanken war, dass Gutmans Spiel nie verdeckt wurde.

Eine Uraufführung eröffnete den zweiten Teil des Konzerts: Das zehnminütige Orchesterstück 'Indigo' von Friedrich Heinrich Kern, als Auftragskomposition der BASF anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der Kulturförderung des Unternehmens entstanden, offenbarte einen aufmerksam und engagiert agierenden Klangkörper, der jedoch in Bezug auf die technischen Anforderungen der Musik auch seine Grenzen erreichte. Die Komposition setzte sich, aufgereiht am fast durchweg als roter Faden wahrnehmbaren Agieren des Paukers, sehr gekonnt mit dem Aspekt der Klangfarbe auseinander: Eingebettet in einen aus mehreren Höhepunkten und Zurücknahmen bestehenden Werkverlauf, baute Kern aus den zunächst eher gegeneinander isolierten, später jedoch immer weiter einander durchdringenden Einsätzen der unterschiedlichen Orchestergruppen einen durch Verwendung unterschiedlicher Register ausgeleuchteten und mit variablen Farbverschiebungen versehenen orchestralen Gesamtklang auf. Diesen löste er gegen Ende zugunsten des Verzichts auf die tiefen Lagen allmählich wieder auf, so dass die Musik schließlich – vorwiegend von den hohen Streichern getragen – ausklang.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 4 A-Dur, der sogenannten "Italienischen", setzten die Interpreten den markanten Schlusspunkt unter den musikalisch gelungeren zweiten Teil des Konzerts: Yinon zielte bei seiner Wiedergabe des bekannten Werkes vor allem auf die melodische Qualität von Mendelssohns Musik und hielt das Orchester zu einer durchweg klangschönen Wiedergabe an, bei der jedoch gelegentlich die Wirkung der Mittelstimmen verloren ging. Dass dieses Werk deutlich besser geprobt war als der eröffnende Respighi, war auch daran zu bemerken, dass die heiklen Passagen nicht aus den Fugen gerieten, dass vielmehr – insbesondere im wilden Saltarello-Finale – ein hohes Maß an orchestraler Virtuosität an den Tag gelegt wurde, verbunden mit einer meist auf Transparenz setzenden Darstellung der vielen kontrapunktischen Passagen. So entschädigte der solide zweite Teil letzten Endes für die aus unterschiedlichen Gründen weniger gelungene erste Konzerthälfte.

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Kritik von Prof. Dr. Stefan Drees

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The Big Four: Filarmonica Arturo Toscanini & Natalia Gutman

Ort: BASF Feierabendhaus,

Werke von: Ottorino Respighi, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy

Mitwirkende: Israel Yinon (Dirigent), Natalia Gutman (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter BASF Kunst & Kultur

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