> > > > > 01.03.2012
Sonntag, 20. Oktober 2019

Franz Liszt

Ein Orchester zeigt seine Stärken

Abwechslungsreiches Musizieren

Es war der Schlussakkord des ersten Programmpunkts, der so richtig deutlich machte, was das Orchester vermag: lang ausgehalten, zart verebbend, bis man angesichts des weiter in Spannungspose verharrenden Dirigenten nicht mehr zu sagen vermochte, ob da eigentlich noch Musik zu hören waren oder ob sich der zuletzt gehört Klang mittlerweile nicht längst schon ganz allein in der Einbildungskraft des Hörers fortpflanzte. Dieser so wunderbar geformte Schlussakkord gehörte zu Maurice Ravels Tanzfolge 'Valses nobles et sentimentales', mit der das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo unter Leitung von Giancarlo Guerrero am Donnerstagabend sein klangsinnliches Gastspiel im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus eröffnete – als drittes von insgesamt vier renommierten Orchestern, die sich innerhalb der Reihe "The Big Four" im Verlauf der aktuellen Saison dort hören lassen.

Mit Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur, dargeboten vom Pianisten Jean-Yves Thibaudet, stand danach ein stilistisch völlig andersartiges Werk auf dem Programm. Guerrero nahm denn auch das Orchester stark zurück, ließ es sich aber dennoch nicht nehmen, die Diktion der Musik entscheidend mitzubestimmen. So eröffnete er das Konzert mit wuchtigen Eröffnungsakkorden, deren Tonfall der Pianist in forschem Spiel aufgriff und in seinem ersten Solo mit einem gewissen Maß an Erregung nachklingen ließ. Im Abreißen der hier auskomponierten deklamatorischen Ansätze zugunsten abrupter Pausen zeigte sich eine grundsätzliche Facette seines Zugriffs: den Versuch, die Spannung zu stauen, um sie anschließen als Impuls weiterzuführen oder ans Orchester weiterzugeben. Das ließ einerseits überraschende Spannungszustände entstehen, führte aber manchmal auch zu einer etwas unglücklichen Gestaltung von Übergängen zwischen kontrastierenden Formteilen. Dennoch steckte die Aufführung voller schöner Momente, und insbesondere die zarten Dialogpassagen zwischen einzelnen Orchesterinstrumenten und Soloklavier gerieten sehr suggestiv.

Zum Höhepunkt des Abends geriet die Wiedergabe von Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100, denn sie brachte die gesamten Vorzüge von Orchester und Dirigent an den Tag. Die fein abgetönte pastorale Stimmung, die den Kopfsatz einleitete, zeichnete sich – wie auch der weitere Fortgang – durch eine ausgezeichnete Balance der unterschiedlichen Orchestergruppen aus. Auch die Dynamik las Guerrero sehr genau, darauf bedacht, große musikalische Bögen zu zeichnen. Gerade der im Spannungsaufbau heikle dritte Satz gelang vorzüglich, da der Dirigent bei der Formung der melodischen Phrasen das Pathos nicht scheute, es jedoch mit einer weiträumigen Entwicklung verband, so dass das Schwanken zwischen Kantilene und Trauermarschallusionen zielgerichtet verlief und die einzelnen Höhepunkte aufeinander aufbauten. Glänzend und virtuos gerieten der zweite Satz und das Finale, wobei insbesondere im Scherzo das Orchester zu Höchstleistungen auflief: Prokofjews spritzige, teils auch groteske Einfälle waren präzise platziert, die durch die Instrumente wandernden kurzen Soli fügten sich zu einem farbigen Mosaik, das in die präzisen Artikulation das allgegenwärtigen Grundrhythmus eingeworben war und immer wieder von nadelspitzen sforzato-Attacke durchzogen wurde, und der Schlussteil überzeugte durch eine vexierbildartige Überlagerung von unterschiedlichen Ereignisschichten, die das Klangergebnis besonders plastisch erscheinen ließen.

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Kritik von Prof. Dr. Stefan Drees

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The Big Four: Orchestre Philharmonique de Monte Carlo

Ort: BASF Feierabendhaus,

Werke von: Maurice Ravel, Franz Liszt, Sergej Prokofieff

Mitwirkende: Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo (Orchester), Jean-Yves Thibaudet (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter BASF Kunst & Kultur

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