> > > > > 18.07.2012
Freitag, 19. August 2022

Glanerts Oper fordert zum Nachdenken auf

Einer flog über den Planeten Solaris

Zeitgenössisches Musiktheater hat es schwer. Umso mutiger war die Entscheidung von Intendant David Pountney, jährlich mit einer Uraufführung im Haus die Bregenzer Festspiele zu starten. Nach 'Achterbahn' von Judith Weir hatte in diesem Jahr Detlev Glanerts 'Solaris' Premiere. Ein sperriges Werk, auch noch während der Proben wurde um viele Details gerungen. Das Libretto von Reinhard Palm nach dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem aus dem Jahr 1961 erwies sich leider als Schwachpunkt, wirkte es doch zu wenig strukturiert. Man erzählt eine Geschichte von Menschen in Ausnahmesituationen, doch ohne wirkliche Poesie und Tiefgang. Im Mittelpunkt steht die dramatische Liebesbeziehung des Psychologen Kris und seiner toten Frau Harey, doch leider allzuoft zu oberflächlich verbalisiert; man bleibt in einer starken Abstraktion gefangen. Dabei sieht Glanert die Raumstation als einen Ort der Träume, der Wünsche und Erinnerungen materialisieren kann. Man stellt sich zudem die Frage, ob es geschickt ist, eine Oper auf einer Vorlage zu basieren, die vor 50 Jahren die Menschen bewegt hat (zudem in einer Diktatur). Für den heutigen Erdenbewohner ist das Weltall ganz nahe gerückt, und Personen in Ausnahmesituationen zeigen sich uns täglich auf dem Bildschirm.

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Kritik von Midou Grossmann



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Detlev Glanert: Solaris: Uraufführung

Ort: Festspielhaus,

Mitwirkende: Prager Kammerchor (Chor), Markus Stenz (Dirigent), Wiener Symphoniker (Orchester), Dietrich Henschel (Solist Gesang), Martin Winkler (Solist Gesang), Mirka Wagner (Solist Gesang), Christiane Oertel (Solist Gesang)

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Bisherige Kommentare:

  1. Solaris - Entstehung
    So viel ich weiß, hat der Komponist nach dem Film von Tarkowski, über 30 Jahre das Projekt einer Oper in sich getragen, die Lektüre des Romans hat dann den Eindruck noch verstärkt. 2006 wurde mit Intendant David Pountney darüber gesprochen und ein Auftrag erteilt. Es sollte keine Sience-Fiction-Oper werden, das menschliche Drama stand bei Detlev Glanert immer im Vordergrund.
    grossmann, 26.07.2012, 23:54 Uhr
  2. ´Solaris´ als Oper
    Was für eine wundervolle Idee! Vielen Dank für diese Rezension. Was mich als jemand, der Glanerts Oper nicht kennt, gleichwohl interessiert hätte, wäre, ob die nicht unbedeutenden Verfilmungen von Tarkowski (1972) und Soderbergh (2002) für Libretto und Aufführung ebenfalls einen Einfluss hatten? Dafür spräche, dass bei Soderbergh die oben erwähnte Paarbeziehung entscheidend in den Vordergrund rückt, wie es in der Oper ja der Fall zu sein scheint. In der Romanvorlage von Lem geht es hingegen mindestens genauso um den Planeten Solaris selbst, und darum wie er sich der wissenschaftlichen Erfassbarkeit permanent entzieht. Nicht zuletzt die einfallsreiche, höchst virtuose Art und Weise wie Lem anhand von Solaris die Unmöglichkeit beschreibt, sich dem Fremden, hier in Gestalt des Weltalls, zu nähern, weshalb der Mensch in allem Anderen immer nur sich selbst wiederzuerkennen vermag, macht den Roman auch heute noch aktuell. Leider wird der Antwort auf die berechtigte selbstgestellte Frage "Wie klingt ein Plasmameer?" in der Rezension kaum Platz eingeräumt. "Vielschichtig aufgefächert" kann sehr viel bedeuten, da wären einige zusätzliche Infos hilfreich gewesen... Gleichwohl noch einmal Danke für die Besprechung!
    Berglinger, 26.07.2012, 14:09 Uhr

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