> > > > > 21.01.2012
Montag, 24. Februar 2020

'Turandot' am Opernhaus Zürich

Das Ende einer Märchenwelt

Giancarlo del Monacos Peking ist ein düsterer, von dunkelgrünen Jadesteinen dominierter Ort, an dem die anonyme Volksmasse auf arenaähnlichen Stufen von der Unterbühne den Schauplatz des Geschehens betritt. Eine Pointe hält die Schlussszene bereit: Sobald Calaf seine Identität preisgibt, ist man im Heute angekommen; das zueinander gefundene Paar nimmt in Abendgarderobe an einem Tisch Platz, während im Hintergrund die Skyline des modernen Pekings sichtbar wird.

Als Calaf war in dieser Repertoirevorstellung José Cura vorgesehen, der allerdings krankheitsbedingt absagen musste und so Johan Botha sein efolgreiches Zürich Debüt ermöglichte. Der aus Südafrika stammende Künstler ist vor allem als souveräner Interpret von Tenorpartien Richard Strauss' und Richard Wagners im internationalen Opernbusiness seit über zehn Jahren nicht mehr wegzudenken und reüssiert fächerübergreifend auch bei Verdi und Puccini. Dem Züricher Publikum präsentierte er sich von seiner besten Seite: Die Höhe klingt weigehend unangestrengt und vor allem kann Botha seinen Tenor in allen Lagen auf Linie führen, ohne einzelne Töne stemmen zu müssen. Einer Topkarriere steht wohl der Mangel an spontanem Ausdrucksvermögen sowie die behäbige Bühnenersscheinung im Weg.

Martina Serafin reiht sich ein in die Liste der Turandot-Interpretinnen, die die Rolle nur mit gnadenlosem Forcieren und schriller Höhe bewältigen. In lyrischen Passagen zeigt der spröde Sopran eine durchaus interessante Färbung und Gestaltungspotential. Isabel Reys flackerndes und in keinem Moment schwebendes Stimmmaterial eignet sich kaum für die Liu, Pavel Daniluk ist dagegen in absolut rollendeckender Timur.

Großes Können bewies Massimo Zanetti am Dirigentenpult. Nicht nur, dass er die Partitur mit straffen Tempi dramatisch spannend und zugleich auch diffwrenziert aufbereitet. Es gelang ihm auch, eine nahezu perfekte klangliche Balance, die bei diesem Werk im eher kleinen Orchestergraben der Züricher Oper keine Selbstvertändlichkeit ist, da die benötigte Bläser- und Schlagwerkbesetzung eine mengenmäßige Reduzierung bei den Streichern unumgänglich macht, was sich im konkreten Fall nicht nachteilig auf die Klangkulisse auswirkte.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Puccini: Turandot: Opernhaus Zürich

Ort: Opernhaus,

Werke von: Giacomo Puccini

Mitwirkende: Massimo Zanetti (Dirigent), Orchester des Opernhauses Zürich (Orchester), Johan Botha (Solist Gesang), Martina Serafin (Solist Gesang), Isabel Rey (Solist Gesang), Pavel Daniluk (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernhaus Zürich

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