> > > > > 26.07.2005
Samstag, 21. September 2019

Cavallis „La Calisto“ als Panoptikum der Liebe

Ein bärig guter Abend

Wie derb, frivol und sinnlich zugleich barockes Opernspektakel sein konnte und kann, zeigt einmal mehr David Alden an der Bayerischen Staatsoper. Diesmal mit Francesco Cavallis 1651 in Venedig uraufgeführter Oper „La Calisto“. Das Werk, von keinem geringeren als René Jacobs für die Neuzeit wiederentdeckt, ist ein typisches Beispiel für die durch die venezianische Oper im 17. Jahrhundert einsetzende Loslösung von mythologisch-verklärenden Apotheosen. Cavallis Götter bedienen sich der Verkleidung und Intrige, sind frivol, sexsüchtig und bekommen komische Diener- und Ammenfiguren als kontrastierendes und kommentierendes Element zur Seite gestellt.

Für das bewährte Team von David Alden (Inszenierung), Paul Steinberg (Bühne) und Buki Shiff (Kostüme) ein idealer Stoff um in ihren, ästhetisch vom britischen Pop der 1960er Jahre beeinflußten, Bildwelten ein hintergründiges, kurzweiliges Spektakel der Extraklasse auf die Bühne zu bringen. Das Publikum amüsiert sich köstlich bei den derben Späßen und ist gebannt bei den immer wieder kontrastiv inszenierten poetischen Momenten der Produktion. Das ist Theater in seiner Urform, kredenzt in einer zeitgemäßen Bühnensprache. In der Summe der David Alben-Inszenierungen in München (zwölf sind es mittlerweile) mag das seinen Reiz verloren haben - der Abend für sich genommen, ist jedoch ganz großes Theater.

Alden macht aus der mythologischen Vorlage um die keusche Nymphe Calisto, die durch Jupiter verführt wird, allerlei Verwicklungen zwischen Göttern und Menschen auslöst und schließlich ihre Metamorphose zum Sternbild des Großen Bären am Himmelszelt erlebt, eine Panoptikum auf Lust und Verlangen, auf die verschiedenen Arten der Liebe und – last but not least – die Unschuld. Aldens Regie entsteht dabei, ebenso wie die in viele kleine Nummern zerfallende Partitur, aus der Situation heraus, reiht Einfall an Einfall, Bild an Bild. Dabei gelingen immer wieder spektakuläre Szenen, stets vorlagentreu und doch zeitgemäß in der Umsetzung. Eine burleske Verkleidungskomödie, die auch die Travestie nicht scheut, als kleines Welttheater um die Liebe. Das Publikum reagiert schon während der Aufführung immer wieder begeistert!

Noch vor 15 Jahren undenkbar

Um die komplette Kritik zu lesen, loggen Sie sich bitte mit Ihrer Email-Adresse und Ihrem Kennwort ein:

E-Mail:
Kennwort:


Sollten Sie noch kein Nutzerkonto bei klassik.com besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Uwe Schneider



Kontakt zur Redaktion


Cavalli: La Calisto: Insz.: D. Alden, Musikal.Ltg.: I. Bolton

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Francesco Cavalli

Mitwirkende: Ivor Bolton (Dirigent), Bayerisches Staatsorchester (Orchester), Kobie van Rensburg (Solist Gesang), Martin Gantner (Solist Gesang), Monica Bacelli (Solist Gesang), Dominique Visse (Solist Gesang), Lawrence Zazzo (Solist Gesang), Véronique Gens (Solist Gesang), Umberto Chiummo (Solist Gesang), Sally Matthews (Solist Gesang)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 40 in A minor op.12 - Allegro ma non troppo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich