> > > > > 11.06.2011
Donnerstag, 18. August 2022

Fantastisches Eröffnungskonzert

Barocker Funkenschlag

Mit dem Ensemble L’aura soave aus Cremona gelang bei den Potsdamer Musikfestspielen 2011 ein fantastisches Eröffnungskonzert. Erst eineinhalb Jahre spielt das Barockorchester L’aura soave zusammen und gewann bereits einige Preise. Das Eröffnungskonzert bei den Potsdamer Festspielen 2011 zeigt, warum. Mit hoher Dynamik, brillanter Präzision und euphorisierender Expressivität interpretierten die Musiker unter Leitung von Sergio Azzolini Bachsche Zeitgenossen - mit Ausnahme von Johann Friedrich Fasch aus dem Wirkungskreis Dresdens. L’aura soave lässt Barockmusik neu erleben, befreit von erstarrter Feierlichkeit, in schillernder Erotik und Leidenschaftlichkeit.

Dem herrschaftlichen Darstellungsdrang ist es zu verdanken, dass die Dresdner Hofkapelle seinerzeit als beste der Welt galt. Als der Kurfürst 1728 König Friedrich Wilhelm einen Monat lang zu höfischen Festlichkeiten einlud, prallte sächsische Lebenslust auf preußisches Pflichtbewusstsein - ein Erlebnis, das Kronprinz Friedrich und in Folge die Kulturpolitik Preußens entscheidend beeinflusste.

Diese Begegnung bildet die programmatische Basis für die Potsdamer Musikfestspiele 2011. Unter dem Motto "Dresden – Sachsens Glanz trifft Preußens Gloria" stehen Kompositionen des Konzertmeisters Johann Georg Pisendel (aus dessen 'Schrank Nr. II') auf dem Program, den einzigen Kompositionen, die beim preußischen Angriff auf Dresden nicht verbrannten.

Mit Ausnahme von Pisendels Concerto doppio c-Moll folgen die ausgewählten fünf Werke von Telemann, Cattaneo, Fasch und Zelenka dem Wechsel Schnell-Langsam-Schnell. In der Interpretation von L’aura soave: dynamisch jauchzend, melancholisch-träumerisch, immer erotisch, in leidenschaftlicher Zwiesprache der Instrumentalisten mit dem Orchester. Telemanns Concerto D-Dur bildet den temperamentvollen Auftakt, führt nach einem schmissigen Entree mit wilden Streichern und durchdringendem Corno da caccia in eine fröhliche Jagdszenerie.

Pisendels Concerto doppio c-Moll erhebt sich aus dem melancholischen Eingangssatz in feierliche Beschwingtheit. Die Solisten überzeugen mit rasantem Wechselspiel von Oboe (Annette Spehr, Hans-Peter Westermann) und Fagott (Sergio Azzolini), voller Klangfröhlichkeit und rhythmischem Drängen und entdecken in der tonalen Finesse des Menuetts die latent aufschäumende Sinnlichkeit. In Cattaneos Concerto D-Dur erdet die erste Violine (Gianadrea Guerra), gestützt von der zweiten (Emanuele Marcante) und dem Basso continuo in klangvoller Tiefe das 'Adagio', woraus sich zart freudig mit Sprüngen, rasantem Tempo und atemlosem Staccati des Fagotts (Sergio Azzolini) die berauschende Euphorie des 'Allegro' aufbaut.

Zwei Traversflöten (Jana Semerádová, Marco Brolli) schweben in Faschs Concerto in D-Dur in weiten leidenschaftlichen Melodiebögen. Mit charismatischer Hingabe bezaubert Jana Semerádová. Mit Zelenkas Concerto G-Dur á 8 concertanti fatti in fretta a Praga (1723) enden die "Dresdner Schätze" fulminant. Aus dem kräftigen Entree des 'Allegro' erheben sich die Solisten mit Oboe, Violine und Fagott zu einem leidenschaftlichen Diskurs musikalischer Höhenflüge, die das Orchester immer wieder akzentuiert, als würde es die raffinierten Akzentverschiebungen und Variationen in fulminanter Rasanz kopfschüttelnd kommentieren. Sergio Azzolini lässt in glühender Fagotttiefe die Funken sprühen, auf die die Oboen in sphärischen Höhen antworten - ein wunderbarer Dialog, der sich schließlich zum feierlich pulsierenden Gleichklang verdichtet.

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Kritik von Michaela Schabel

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Dresdner Schätze: Potsdamer Musikfestspiele: Eröffnungskonzert

Ort: Sanssouci,

Werke von: Johann Georg Pisendel, Georg Philipp Telemann, Johann Friedrich Fasch, Jan Dismas Zelenka

Mitwirkende: Sergio Azzolini (Dirigent), Hans Peter Westermann (Solist Instr.), Sergio Azzolini (Solist Instr.)

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Detailinformationen zum Veranstalter Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

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