> > > > > 19.04.2012
Montag, 27. Mai 2019

Dausgaard und das Dänische Nationalorchester

Intimität und Veräußerung

Der amerikanische Pianist Tzimon Barto hat die Statur eines Türstehers. Aus der Entfernung wirkt der 1963 Geborene, der fünf Sprachen fließend spricht, wie ein Zwillingsbruder Arnold Schwarzeneggers in seinen besten Jahren. Dem a-Moll-Klavierkonzert von Edvard Grieg entlockte Barto unbeschreiblich zarte Töne, die sich teils am Rande des Wahrnehmbaren bewegten und so eine Atmosphäre erzeugten, die für die Öffentlichkeit eines Sinfoniekonzerts fast schon zu intim wirkte. Wie zu erwarten, erwies Barto sich als ein Gestalter ersten Ranges. Den Höhepunkt seiner Pianissimo-Deutlichkeit bot das 'Adagio'. Getragen vom gedämpften Streicherteppich des Dänischen Nationalorchesters unter Thomas Dausgaard, formulierte Barto den Solopart mit einer Empfindsamkeit des Anschlags und einer sprechenden Phrasierung, die ganz aufs Innerliche zielte, im besten Sinne vergrübelt zu nennen war. Auf diese Weise verwandelte sich Griegs an Schumann orientiertes Opus 16 in den ersten beiden Sätzen gleichsam in den Gegenentwurf des Virtuosenkonzerts, nur im brachial tänzerische Züge annehmenden Finale an Liszt geschult. Schon zu Beginn des Klavierkonzerts entzog Barto der herabstürzenden Figur das Donnernde, negierte gleichsam den Vorhang-Auf-Effekt des crescendierenden Paukenwirbels, indem er gleich den zweiten Akkord dynamisch abdämpfte und zum Ausgangspunkt einer sensibel differenzierten Rubato-Lesart machte. Das "molto" in 'Allegro molto moderato' nahm Barto beim Wort. Die Generalpause in der Solokadenz im Kopfsatz etwa erhielt durch ihre Ausweitung auf den mindestens dreifachen zeitlichen Wert eine formgebende Funktion, da sie so gleichsam das neue Ansetzen der Kadenz hervorhob. Wobei seine flexible Agogik selbstverständlich genauso Accelerandi zuließ, solange sie im Dienst der musikalischen Logik standen. Bartos mitunter leicht jazzhaft anmutende Gestaltung, die das vermeintlich totgespielte a-Moll-Konzert mit einem frischen, nie manierierten Anstrich versah – dafür erhielt er vom Publikum lautstarken Applaus – fand ihre stilistische Entsprechung dann auch in der Zugabe, dem Prelude Nr. 2 von George Gershwin, das ausdrücklich nach agogischen Rückungen verlangt.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Dänisches Nationalorchester: Thomas Dausgaard

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Edvard Grieg, George Gershwin, Robert Schumann, Carl August Nielsen, Edward Elgar, Richard Wagner

Mitwirkende: Thomas Dausgaard (Dirigent), Danish National Symphony Orchestra (Orchester), Tzimon Barto (Solist Instr.)

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