> > > > > 14.11.2010
Montag, 27. Mai 2019

Juan Diego Flórez gastiert am Opernhaus Zürich

Ein Nemorino der Spitzenklasse

Seit gut einem Jahrzehnt ist der Peruaner Juan Diego Flórez nun die unangefochtene Nummer eins für koloratur- und spitzentongespickte Rossini-Partien. Rollen abseits des Tenore di agilità-Fachs hat der Künstler bisher kaum angerührt, gelegentlich kann beziehungsweise konnte man ihn als Elvino (La Sonnambula), Duca di Minatova, Ernesto (Don Pasquale) und auch als Nemorino in Donizettis „Elisir d'amore“ erleben. Gerade der Nemorino mit seinen zahlreichen Phrasen in der Mittellage ist für viele „C-Töne“ oft nicht das optimale Präsentationsobjekt ihrer stimmlichen Bravour, Flórez dagegen zeigt, dass er unbestreitbar auch die Qualitäten eines lyrischen Tenors mitbringt. Die Mittellage ist im Lauf der Jahre weicher und farbiger geworden, sodass er bei „Una furtiva lagrima“ die Phrasen subtil gestalten kann. Die vom Publikum enthusiastisch erklatschte Wiederholung bot noch ein paar unaufdringlich eingebaute Verzierungen, die genauso gefielen wie eine brillant heraus geschleuderte (Show-)Fermate im Duett mit Belcore.

Seine Partnerin hätte an diesem Abend Isabel Rey sein sollen, die aber krankheitsbedingt kurzfristig durch Malin Hartelius ersetzt wurde. Wie vor der Vorstellung dem Publikum erläutert wurde, hat sie die Partie nun seit Jahren nicht mehr gesungen und erst am Tag davor mit dem Auffrischen begonnen. Zieht man auch in Betracht, dass die Künstlerin im Lauf der letzten Spielzeiten auch einen Repertoirewechsel vollzogen hat und mittlerweile auch Tatjana und Donna Elvira singt, ist die tadellose Bewältigung der Adina umso höher zu bewerten. (Lediglich am Beginn wirkte ihr dunkler gewordener Sopran etwas unstet.) 

Gabriel Bermúdez (Belcore) und Rebeca Olvera (Gianetta) sind zwei hervorragende Besetzungsvarianten, als vokaler Schwachpunkt erwies sich der darstellerisch äußerst präsente Quacksalber Dulcamara Alfonso Antoniozzis. Gemessen an der noch nicht überlangen Karrieredauer wirkt sein Bassbariton mittlerweile bedenklich unattraktiv und abgesungen. Am Dirgentenpult zeigte Nello Santi, wie hervorragend Belcanto im Alltagsrepertoire klingen kann: Die - vielleicht etwas behäbig anmutenden - Tempi sind untereinander ausgewogen und wirken vor allem natürlich. Besondere Erwähnung verdienen auch die in dieser Partitur zahlreichen Instrumentalsoli. Grischa Asagaroffs Inszenierung unterhält mit ihren Anleihen bei der Commedia dell’arte auf charmante Weise, wobei Tullio Pericolis aus kolorierten Tuschzeichnungen Bühnenbilder die heitere Stimmung noch zusätzlich unterstützen.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Ein Nemorino der Spitzenklasse: Juan Diego Flórez gastiert am Opernhaus Zürich

Ort: Opernhaus,

Werke von: Gaetano Donizetti

Mitwirkende: Nello Santi (Dirigent), Grischa Asagaroff (Regie), Alfonso Antoniozzi (Solist Gesang), Gabriel Bermúdez (Solist Gesang), Malin Hartelius (Solist Gesang), Juan Diego Flórez (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernhaus Zürich

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