> > > > > 12.09.2010
Donnerstag, 22. August 2019

Claudio Monteverdi

Sachsen hat ein neues Festival

Musikfest Erzgebirge – Alte Musik, junger Anspruch

Als Verkörperung dessen, was man als ungeschriebenes Motto des ins Leben gerufenen Musikfestes Erzgebirge bezeichnen könnte – Alte Musik als zeitlose, ja, junge Kunst lebendig für die Gegenwart fruchtbar zu machen – klingt das erste Musikfest Erzgebirge in der St. Annenkirche zu Annaberg-Buchholz am Abend eines sonnigen Spätsommersonntags aus. Was könnte passender sein als die gregorianischen Antiphonen der Männerstimmen, verinnerlichte und festliche Chöre, dazu Echowirkungen einzelner Stimmen und Instrumente von den Emporen, prachtvolle polyphone Passagen bei raumwirksam verschiedenen Aufstellungen der Chorgruppen und ein immens farbreicher Instrumentalsatz jenes großen, mehrteiligen Werkes von Claudio Monteverdi, das seinem Inhalt nach in kosmischen Dimensionen der Heiligen Jungfrau gewidmet ist?

Mit ersten Anwälten der barocken Kunst des Musizierens, dem RIAS-Kammerchor, der Akademie für Alte Musik Berlin und einem vorzüglichen Solistenensemble – wie Maria Cristina Kiehr, Gerlinde Sämann, James Elliott oder Harry van der Kamp – unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann wurde die 400 Jahre alte 'Vespero della Beata Virgine' (Marienvesper) des barocken Meisters von San Marco in Venedig in der sakralen Pracht der Spätgotik der fast 100 Jahre älteren Kirche aufgeführt. Rademann gelingt es mit sicherem Empfinden, trotz einiger akustischer Tücken der weiten Hallenkirche jenen faszinierenden Raumklang zu erzeugen, der dem Werk mit der inhaltlichen Metaphorik vom weit ausgebreiteten Schutzmantel der Madonna in der Bildhaftigkeit des Klanges entspricht. Bei aller Sicherheit des Anspruches historischer Musizierpraktiken, bei mancher Fremdheit der Marienfrömmigkeit im protestantischen Kontext: Die Aufführung besticht am Ende durch die Faszination der Aktualität, die sich dem gemeinsamen Erleben einer sowohl künstlerisch als auch spirituell beeindruckenden Wiedergabe des Werkes verdankt.

Wenn es stimmt, dass man das Verständnis des Publikums an der Länge der Zeit zwischen dem Verklingen des letzten Tones und dem Einsetzen des Applauses erkennt, dann hatte sich hier ein Publikum gefunden, wie man es selten in Konzertsälen oder Opernhäusern erlebt. Große stille nach dem letzten Ton, dann bricht sich die freudige Begeisterung in langem, herzlichem Applaus Bahn.

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Musikfest Erzgebirge 2010: Abschlusskonzert

Ort: Annenkirche,

Werke von: Claudio Monteverdi

Mitwirkende: RIAS Kammerchor (Chor), Hans-Christoph Rademann (Dirigent), Akademie für Alte Musik Berlin (Orchester), Harry van der Kamp (Solist Gesang), Maria Christina Kiehr (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Musikfest Erzgebirge

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