> > > > > 18.03.2005
Montag, 6. Dezember 2021

Thomas Hampson, Photo by Simon Fowler

Mariss Jansons fasziniert bei Lucerne Ostern

Dvorak, Mahler und Bruckner mit Wucht

Mit seinen beiden Konzerten bei Lucerne Festival als ‘orchestra-in-residence’ zeigte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung seines Chefdirigenten Mariss Jansons eine hochkarätige Orchesterkultur und stellte zugleich seinen Anspruch auf, eines der führenden Symphonieorchester in Deutschland zu sein. Zunächst stand in gemeinsamer Ausführung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks im hochmodernen Konzertsaal des KKL das Requiem op. 89 von Antonín Dvorák auf dem Programm, mit dem Lucerne Festival die Tradition der Aufführung der bedeutenden Totenmessen fortsetzte. Das Solistenquartett war mit Krassimira Stoyanova (Sopran), Elina Garanca (Alt), Stuart Skelton (Tenor) und Robert Holl (Bass) hochkarätig besetzt. Stoyanova beeindruckte mit kräftiger, wundervoll intensiv vibrierender Stimme und hielt ein wundervolles Mezzavoce bereit. Berückend klang der Alt der in Lettland geborenen Garanca. Raumfüllend und dennoch butterweich durchdrang Skeltons Tenor den Saal. Holls Bass sucht wohl an Wuchtigkeit (Mors stupebit) seinesgleichen. Fantastisch wie Jansons aus der Totenmesse des Tschechen ein packendes Seelendrama formte. Eindrucksvoll zu erleben, wie die 68 Mitglieder des Chors des Bayerischen Rundfunks die Pianissimi zum Schluss des Graduale hauchten und zuvor das ‘Kyrie eleison’ a cappella zu einem gesungenen Gebet werden ließen. Dem 1943 in der lettischen Hauptstadt Riga geborenen Jansons gelang ein tolles, weichgezeichnetes Klangbild, das emotional anrührte.

Luzerner Debut von Bariton Thomas Hampson

Im zweiten Konzert zeigten sich Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks als zauberhafte Mahler- und Bruckner-Interpreten. Gerade Mahler konfrontierte den Hörer bei seinen ‘Liedern eines fahrenden Gesellen’ mit aberwitzigen Irrlichtern, Paradoxien und den jugendlichen Anwandlungen des unsterblich unglücklich Verliebten. Bei seinem Luzerner Debüt gefiel der amerikanischen Bariton Thomas Hampson, der bisher vor allem mit Verdi-Produktionen hervorstach. Er flog aus London ein, wo er im April als Renato in Verdis ‘Un ballo in maschera’ auftritt. Genüsslich sezierte Hampson das Innenleben von ‘Wenn mein Schatz Hochzeit macht’ und ‘Ging heut’ morgen übers Feld’, die bereits deutlich Mahlers idiomatische Kompositionszüge tragen. Noch in Kassel 1885 widmet der Komponist die zunächst sechs Lieder seiner unglücklichen Liebe Johanne Richter, schreibt sie später um und reduziert die Anzahl der Gesänge von sechs auf vier.
Hampson gelang eine bemerkenswert authentische, nuancenreiche, tief psychologisch angereicherte Umsetzung von Mahlers Partitur, auch in den beiden weiteren Titeln ‘Ich hab’ ein glühend Messer’ und ‘Die zwei blauen Augen von meinem Schatz’. Akzentfrei in der Aussprache beeindruckte der Amerikaner mit lyrischem Pathos und sinnlichem Stimmmelos. Glücklich gewählt die Tempi, die Jansons mit dem plastisch wirkenden BR-Orchester anschlug, das dann bei Bruckners III. zu seiner künstlerischen Hochform auflief. Je später der Abend, desto mehr lockte Jansons seine Musiker aus der Reserve, ja über sich selbst hinaus. Nahtlos hingen sie bereits im ‘Mehr langsam.Misterioso’ am Taktstock des Maestro, die Violinen lieferten ein glänzendes Sul G, unbekümmert peilte der Lette das Satzfinale mit seiner Stretta an. Im zweiten Satz glühten die Violen bei ihrem Solo im ‘Adagio bewegt, quasi Andante’ auf, angeführt von Solobratscher Hermann Menninghaus und zeigten ihr dichtestes Legato. Auf pulsierendem Orgelpunkt federten die Kontrabässe, Hörner vollzogen schluchzend ihre dramatisch absteigenden Linien. Das Pianissimo allein gen Ende des Satzes lohnte die Reise zum Kultur und Kongresszentrum Luzern.

Das Konzert wird voraussichtlich im Bayerischen Fernsehen gezeigt: 05. Juni 2005, 12.15 Uhr.

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Kritik von Manuel Stangorra

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Symphonieorchester des BR:

Ort: Kultur- und Kongresszentrum (KKL),

Werke von: Antonín Dvorák, Gustav Mahler, Anton Bruckner

Mitwirkende: Chor des Bayerischen Rundfunks (Chor), Mariss Jansons (Dirigent), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Orchester), Elina Garanca (Solist Gesang), Stuart Skelton (Solist Gesang), Robert Holl (Solist Gesang), Thomas Hampson (Solist Gesang), Hermann Menninghaus (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter Lucerne Festival

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