> > > > > 04.07.2010
Donnerstag, 5. Dezember 2019

'La Traviata' in Zürich

Bejubelte Starbesetzung

Renée Fleming, Piotr Beczala und Thomas Hampson - das Opernhaus Zürich hat hier für eine Repertoire-Serie von Verdis 'La Traviata' eine Besetzung aufgeboten, die bei jeglicher Premiere zwischen New York und Wien internationales Aufsehen erregen würde. Das Publikum applaudiert auch dementsprechend euphorisch, wobei gerade im Falle Renée Flemings eine differenzierte Sicht des Gebotenen angebracht scheint.

Die amerikanische Diva singt die Violetta mit einer äußerst sensiblen Phrasierung und einer facettenreichen dynamischen Gestaltung. Doch erweckt beinahe die gesamte stimmtechnische Rafinesse den Eindruck, Selbstzweck zu sein. Wirklich berühreren kann Fleming nur an den wenigsten Stellen, wie etwa bei 'Addio del passato, bei sogni ridenti' im dritten Akt. Zu dieser ausdrucksmäßigen Distanziertheit kommt noch der eher spröde, vollkommen unerotische Klang ihres Soprans, der gerade bei dieser Partie problematisch ist.

Thomas Hamspon hat sich mit seinem Einstieg in das dramatische Verdi-Fach während der letzten Jahre keinen Gefallen getan, die lyrischen Kantilenen des Giorgio Germonts kommen ihm jedoch ideal entgegen. Auch nahm man in dieser Vorstelllung erfreut zur Kenntnis, dass die Stimme des Künstlers wieder über deutlich mehr Klangfarben verfügt. Außerdem zeigt die nuancierte, aber nicht übertrieben deklamierte Textgestaltung auch die Qualitäten des Lied-Interpreten von Weltformat.

Zu der Tenorelite der heutigen Opernszene zählt Piotr Beczala, auch wenn er nicht über den Bekanntheitsgrad seiner nicht selten von Krisen gebeutelten Kollegen verfügt. Beczalas Stimme ist strahlend und geschmeidig zugleich, lediglich das von Verdi nicht geforderte C am Ende der Stretta wollte an diesem Abend nicht so qualitativ wie gewohnt gelingen.

Carlo Rizzi ist am Dirigentenpult ein Garant für ein kompetentes, passagenweise etwas zähflüssiges Abspulen der Partitur, interpretatorische Akzente sind von ihm nicht zu erwarten. Wenig Atmosphäre lässt Jürgen Flimms banale Inszenierug aufkommen, wozu auch Renée Flemings damenhafte Gestaltung der Titelpartie beitrug.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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