> > > > > 03.07.2010
Sonntag, 18. August 2019

Letzte Reprise von Lehnhoffs 'Meistersingern'

Abschied mit Schwächen

Mit Nikolaus Lehnhoffs 'Meistersingern' trennt sich das Züricher Opernhaus von einer praktikablen, das Libretto respektierenden Produktion, die sicherlich keine neuen Aspekte des Werks fokussierte, in ihrer Gesamtheit aber schlüssig und zeitlos wirkt. Eine konventionelle Bahnen verlassende Personenführung war schon bei der Premiere 2003 kaum zu erkennen; mittlerweile ist nur Matti Salminen von der ursprünglichen Besetzung geblieben, das übrige Ensemble präsentiert routinierte Rollenportraits.

Wie der im Normalfall verlässliche Alfred Muff mit dem Hans Sachs zurechtkommt, lässt sich nach dieser Vorstellung kaum sagen: Schon im ersten Akt erschreckten permanente Probleme mit dem oberen Register, die auf eine akute Indisposition schließen ließen. Die erwartete Ansage blieb jedoch aus, die befürchtete Verschärfung der Stimmprobleme nicht. Lässt sich der zweite Akt sowie der erste Teil des dritten noch mit Sprechgesang über die Runden bringen, so erfordern die beiden Ansprachen auf der Festwiese heldenbaritonale Kraft, die für Muff in dieser Aufführung außerhalb jeder Reichweite stand. Robert Dean Smith als Walther von Stolzing demonstriert, mit wieviel Legato man diese Partie von Beginn an singen kann. Gerade diese musikalische Sensibilität und technische Souveränität des Amerikaners ist es, die dafür entschädigt, dass sein Tenor weder besonders timbriert ist, noch über besonders viel Volumen verfügt. Dank der klugen Einteilung seiner Ressourcen kann Smith im Preislied die Intensität noch von Strophe zu Strophe steigern, wenn viele seiner Kollegen nur mehr mit der immer höher werdenden Gesangslinie ringen.

Keinerlei Einschränkungen muss sich Adrian Eröd als Sixtus Beckmesser gefallen lassen. Hier verschmilzt eine exemplarische Wortdeutlicheit in Kombination mit seinem kernigen und höhensicheren Bariton zu einer optimalen Interpretation. Matti Salminen ist noch immer eine der allerersten Adressen wenn es gilt, die großen Bassrollen des deutschen Repertoires zu besetzen. Der Pogner kommt den Qualitäten des mittlerweile 65jährigen Künstler wegen des hoch liegenden Monolgs im ersten Akt jedoch nicht mehr optimal entgegen. Anstelle der erkrankten Edith Haller hörte man als Eva Michaela Kaune, die diese Rolle auch bei den heurigen Bayreuther Festspielen singen wird. Gemessen an diesem Anspringen eignet sich Kaune  für diese Rolle nur bedingt: Ihr spröder und unruhiger Sopran wirkt für die Rolle nicht jugendlich genug, zudem irritierten bei den dramatischen Ausbrüchen im dritten Akt zahlreiche schrille Höhen. Positiv auf sich aufmerksam machten Peter Sonn als David und Cheyne Davidson als Kothner. Die übrigen kleineren Partien bewiesen ein durchaus hohes Niveau, mit dem lediglich Wiebke Lehmkuls Magdalena etwas abfiel.

Philipp Jordan erarbeitete mit dem Orchester des Opernhauses eine vollkommen gegensätzliche Leseart der Partitur als der Premierendirigat Franz Welser-Möst vor sieben Jahren. Bei Jordan dominieren die getragenen Tempi (die Aufführung dauert mit zwei Pausen zu je 40 Minuten über 6 Stunden und 20 Minuten!) und ein mitunter behäbig wirkendes Pathos in Verbindung mit einer nicht unbedingt sängerfreundlichen Lautstärke. Doch Jordans Herangehensweise an das Stück ist - wie auch die zahlreichen Details in den musialischen Fluss eingebundenen Details zeigen - so konsequent durchdacht, dass man ihm für diesen Abend großen Respekt zollen muss.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Wagner: 'Die Meistersinger': Opernhaus Zürich

Ort: Opernhaus,

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Phillippe Jordan (Dirigent), Orchester des Opernhauses Zürich (Orchester), Cheyne Davidson (Solist Gesang), Peter Sonn (Solist Gesang), Michaela Kaune (Solist Gesang), Robert Dean Smith (Solist Gesang), Alfred Muff (Solist Gesang), Matti Salminen (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernhaus Zürich

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