> > > > > 12.04.2011
Freitag, 25. September 2020

Johann Sebastian Bach

Bachs Johannespassion in Freiburg

Arbeit an Trauer und Hoffnung

Bachs Johannespassion war seine erste große Passion, die in Leipzig für einen Karfreitag entstand. Das breite Spektrum an Ausdrucksformen und Satztechniken war fraglos in der wichtigen Aufgabe entscheidend motiviert. Auch die auffallende Instrumentierung verweist auf den besonderen Anlass. Traversflöten, Oboe da caccia und d’amore, Viola da Gamba, Cembalo und Laute gaben dem Werk eine ganz eigene, äußerst vielfältige Klangfarbigkeit. Die Johannespassion erhielt in Bachs Werk im Zuge seiner kompositorischen Hermeneutik aber auch einen Sonderstatus. Die Konsequenz, nach einem Magnificat eine Johanneische Passion zu komponieren, spiegelt sich im musikalischen Ausdruck, der hörbar eine Wende von der Marien-Exegese zur Perspektivität der Leiden Christi erfuhr. Dennoch bestimmten auch außerkompositorische Maßregelungen immer wieder die Werkgenese. Ein Vertrag sah vor, die Passion nicht in St. Thomas, sondern in der weniger tauglichen Nikolaikirche aufzuführen. Zudem sollte es schnell gehen und vor allem am Ende nicht nach Oper klingen. Es gelang Bach jedoch, wie so oft, dennoch gute und vor allem produktive Konsequenzen aus den peinlich genauen Vorgaben zu ziehen. So wurde in St. Nikolai das Cembalo aufgebessert, und auch eine Pseudo-Dramatik der Oper der andachtsvollen 'Passio secundum Joannem' heimlich untergeschoben. Eine raffinierte Ambivalenz von Pathos und Ethos bestimmt durchweg den Affekthaushalt. Diese Stimmung ist zwischen Text und Musik sowohl Aug- wie Ohrenmerk, denn nur selten hat Bach so nah nebeneinander mit exegetischen Kontrasten gearbeitet. Priorität hatte zunächst sicherlich eine schlichte protestantische Auslegung der Lutherbibel, zumal es das deutungsdominante Evangelium des Johannes zu vertonen galt. Die rein textliche Dimension einer Klangrede erweiterte Bach jedoch, wie der Freiburger Theologe Meinrad Walter treffend bemerkt, um ein "dramatisches Spiel im liturgischen Dienst der Andacht". Kontemplation und Affektion formierten so die beiden Eckpfeiler einer musikalischen Architektur, die ihren leitmotivischen Kreuzgang in der uns einzig in toto überlieferten Generalbass-Stimme besitzt. Von hier wird die Architektur des Werkes verständlich.

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Kritik von Toni Hildebrandt



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J. S. Bach: Johannespassion: Freiburger BarockConsort

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Johann Sebastian Bach

Mitwirkende: Freiburger BarockConsort (Orchester)

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