> > > > > 17.12.2010
Samstag, 25. Juni 2022

Salonen dirigiert die Wiener Philharmoniker

Finnische Eruptionen

Unter Esa-Pekka Salonen zeigten die Wiener Philharmoniker an diesem Abend im Freiburger Konzerthaus, dass sie sich nicht nur auf das späte 19. Jahrhundert verstehen – das alleine überrascht sicher niemanden –, sondern sich auch in (post-)modernen musikalischen Gefilden zurechtfinden. Wobei das Wort "Moderne" in Salonens 2006/2007 entstandenem Klavierkonzert ein dämpfender, zeitloser Schimmer umgibt, klingt in dem ausgedehnten Dreisätzer doch manches wie dem Fundus der sogenannten klassischen Moderne von Ravel und Bartók bis Messiaen entnommen. Es verwunderte dann auch nicht, aus dem Programmheft zu erfahren, dass Strawinskys 'Sacre' für Salonen eine starke Inspirationsquelle bildete. Spaß machte das Werk, in dem es zuweilen wie in einer Ursuppe brodelt, allemal. An klangsinnlichen Farbenfantasien und organisch wuchernden, simultan verlaufenden Prozessen herrschte kein Mangel. Der Eindruck des Wucherns erklärte sich einerseits aus dem scheinbaren Fehlen klar wiedererkennbarer Themen oder Motive. Andererseits wäre die Bezeichnung "Konzert für Orchester mit Klavier" wohl passender als die eigentliche eines "Konzerts für Klavier und Orchester". Zwar bewältigte Yefim Bronfman, der Uraufführungssolist von 2007, die Massen an Läufen, Akkordfolgen, Girlanden und vogelhaften Trillern mit erstaunlicher Ruhe wie Präzision (die quirlige Chopin-Zugabe untermauerte seine künstlerische Erhabenheit). Gleichzeitig aber ist der Solist, sieht man von einer Kadenz zu Beginn des zweiten Satzes ab, beinahe pausenlos in den bunten Tuttitumult einbezogen. So verdoppeln und ergänzen die extrem geforderten Holzbläser (Flöten!) häufig die Klavierstimme während die Streicher (Solovioline- und Viola!) zugleich mit Staccati wortwörtlich dagegen anspielen. Deckten die von karnevalistischem Ernst beseelten Wiener Philharmoniker Bronfmans Vortrag in der gedämpften Akustik des Freiburger Konzerthauses bisweilen zu, so konnte man ihnen daraus doch keinen Vorwurf machen. Schließlich geht Salonen mit der Instrumentation großzügig um, Kongas und drei Xylophone sorgen bisweilen für Südseestimmung, Saxophon und tiefe Bassklarinette streuen Jazzfetzen ein.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Wiener Philharmoniker: Esa-Pekka Salonen

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Esa-Pekka Salonen, Jean Sibelius

Mitwirkende: Esa-Pekka Salonen (Dirigent), Wiener Philharmoniker (Orchester), Yefim Bronfman (Solist Instr.)

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