> > > > > 16.05.2010
Freitag, 23. August 2019

Jordi Savall und Hespèrion XXI in Luzern

Mare Nostrum

Schon heute hat der katalanische Gambist Jordi Savall (*1941) ein musikhistorisches Werk hinterlassen, das die Interpretationsgeschichte Alter Musik auf ein neues, bedeutungsvolles Niveau gehoben hat. Mit seiner Viola da Gamba meditierte er über die Tränen Caravaggios, spürte der Klangwelt des spanischen Nationaldichters Cervantes nach oder sang mit Kolumbus' Matrosen vergessene Melodien der Seefahrt. Viele dieser Lieder und Tänze hatten bis dato keinen Platz in der Musikgeschichte, aber einen Ort in der Historiographie. Einst wollte ihm der katholische Klerus gar die eigenen Bibliotheken verschließen, doch das Archiv, stumm vor Matrosen wie Mönchen, blieb zum Glück geöffnet. Selbst die Musikwissenschaft kämpft um ihre Freiheit und Savall war stets ihr Revolutionär. Mit dem Ensemble Herspérion offenbarte er uns unvergessliche Miniaturen, schillernde Schätze der mittelalterlichen Musiktradition, Erfahrungen jenseits des klassischen Mainstreams, eines unlängst global gestimmten Diwans zwischen Ost und West. Was hat Jordi Savall zwischen 1200 und 1800 nicht alles entdeckt, ausgegraben, ans Licht geführt? Bezaubernde jüdische, islamische, christliche Gesänge. Einen ganzen Klangraum monotheistischer Religionen. Eine „biblia pauporum“ aus Lauten-, Harfen- und Gambenklängen. Ein imaginäres Kino der Kulturgeschichte von der Straße von Gibraltar bis hin dem Bosporus... Dabei war Ausgangs- und Endpunkt der Reise stets die Musik der eigenen Heimat – und diese reichte von „sephardischen Romanzen“ spanischer Juden bis weit in den arabischen Sprachraum. Die Geschichte war dafür immer nur Mittel zum Zweck – Wegweiser und Garant des Erfolgs. Savall fand nicht nur kostbare Schätze, sondern erweckte sie immer auch gleich zum Leben. Keine Minute war in Luzern unberührt von der Intensität historischer Lebendigkeit. Sein Werk ist – man muss es in allem Pathos sagen – der Beweis musikimmanenter Hermeneutik!

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Kritik von Toni Hildebrandt



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Mare Nostrum: Hespérion XXI

Ort: Kultur- und Kongresszentrum (KKL),

Mitwirkende: Montserrat Figueras (Solist Gesang), Jordi Savall (Solist Instr.)

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