> > > > > 11.03.2010
Samstag, 29. Januar 2022

Pollini mit Mozart, Thielemann mit Beethoven

München leuchtet

Maurizio Pollini ist zwar relativ häufig in München zu hören, aber mit den hiesigen Philharmonikern musizierte er zuletzt 1982. Wie man von Joachim Kaiser hört, weigerte er sich, wegen der schlechten Akustik im Gasteig aufzutreten. Jetzt kam er doch und spielte auf eigenen Wunsch das A-Dur-Konzert Nr. 23 (KV 488) von Mozart, aber der Auftritt mit Christian Thielemann wird seine Abneigung gegen diesen Saal nicht zerschlagen, sondern vielmehr bekräftigt haben. Besonders problematisch erwies sich die Balance zwischen Klavier und Orchester in den beiden Ecksätzen des Konzertes. Das lag zum einen an den akustischen Gegebenheiten der Philharmonie, zum anderen aber auch an einem recht üppig besetzen Orchester, das den feinen Solopart bisweilen zu überdecken drohte, obwohl es von Thielemann sensibel und angenehm zurückhaltend geführt wurde. Thielemann und Pollini finden für jeden der drei so unterschiedlichen Sätze den angemessenen Ausdruck. Das zügige 'Allegro' des Kopfsatzes, der dank perlender Läufen und einer noblen Phrasierung zwar einen festlich frohen Charakter trug, dabei aber auch ein wenig unverbindlich blieb, kontrastierte scharf mit dem tieftraurigen Moll-'Adagio', der chromatischen Schmerzlichkeit des Mittelsatzes, der gerade wegen des unpathetischen, schlichten Vortrages besonders anrührend und authentisch gelang. Man hält den Atem an und verharrt reglos, wenn in der Coda der melodische Fluss des Satzes durch das Pizzikato der Streicher aufgelöst, gewissermaßen skelettiert wird und Thielemann den darüberliegenden Holzbläsern durch ein sanftes, kaum merkliches Crescendo besonderes Gewicht verleiht. Eine ganz andere, sonnigere Welt erschließt sich dem Hörer dann im Rondo-Finale ('Allegro assai'). Pollini setzt fast unmittelbar nach dem 'Adagio' ein und gibt ein sehr rasches Tempo vor, welches das Orchester, die Holzbläser zumal, fast in Bedrängnis bringt. Klar und unprätentiös ist Pollinis Spiel, aber auch ein wenig kühl und leidenschaftslos. Dennoch erscheint Mozarts Konzert aus dem Jahr 1786 bei ihm und Thielemann in einem eher romantischen Licht, ohne aber je breit und täppisch zu wirken.

Um die komplette Kritik zu lesen, loggen Sie sich bitte mit Ihrer Email-Adresse und Ihrem Kennwort ein:

E-Mail:
Kennwort:


Sollten Sie noch kein Nutzerkonto bei klassik.com besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Christian Gohlke



Kontakt zur Redaktion


Mozart/Beethoven: Pollini/Thielemann in München

Ort: Gasteig,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven

Mitwirkende: Christian Thielemann (Dirigent), Münchner Philharmoniker (Orchester), Maurizio Pollini (Solist Instr.)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich