> > > > > 26.09.2009
Sonntag, 20. September 2020

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Theater an der Wien: Blick auf den Eisernen Vorhang, Copyright: Paul Ott

Theater an der Wien: Blick auf den Eisernen Vorhang, © Paul Ott

Händels 'Agrippina' im Theater an der Wien

Virtuose Rivalinnen

„Das Publikum war dermaßen bezaubert, dass ein Fremder aus der Art, mit welcher die Leute gerühret waren, sie alle miteinander für wahnwitzig gehalten haben würde. So oft eine kleine Pause vorfiel, schreyen die Zuschauer: Viva il caro Sassone.“ Dieser Uraufführungsbericht von Händels Biograph John Mainwaring wird immer wieder in der Literatur zitiert, um zu unterstreichen wie begeistert Händels neues Werk am 26. Dezember 1709 von den Venezianern aufgenommen wurde. Die 27 Mal in Folge gespielte 'Agrippina' bildete zugleich den Schlusspunkt seines Italienaufenthalts zu dem er 1706 aufbrach. Dass Händel zweite italienische Oper auf so große Begeisterung stieß, ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass sich der Komponist der Erwartungshaltung des venezianischen Publikums anpasste, weshalb die Partitur überwiegend aus kurzen, lediglich vom Generalbass begleiteten Arien besteht. Neben einigen größer konzipierten und dichter instrumentierten Nummern, die bereits auf Händels Londoner Werke schließen lassen, zieht sich durch die gesamte Partitur ein stilistisches Merkmal des Musikers: Die Entlehnung aus eigenen Oratorien und Kantaten aber auch aus fremden Stücken. So etwa basiert Pallantes’  'Col raggio placido', auf Lucifers Arie aus 'La resurrezione' (1708), 'O voi dell' Erebo', wurde aus Reinhard Keiser's 1705 uraufgeführter Oper 'Die römische Unruhe oder die edelmütige Octavia' adaptiert, Agrippinas 'Non hò cor che per amarti' hörte man bereits 1707 als 'Se la morte non vorrà' in Händels dramatischer Kantate 'Qual ti reveggio, oh Dio'. Wie gängig diese Entlehn-Verfahren damals war, zeigt die Tatsache, dass die Londoner aller Wahrscheinlichkeit erstmals ein Musikstück Händels in einer Oper Scarlattis hörten, denn dieser übernahm Agrippinas 'No ho che' in dem 1710 gespielten 'Pirro è Dimitrio'.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Händel: 'Agrippina': Theater an der Wien

Ort: Theater an der Wien,

Werke von: Georg Friedrich Händel

Mitwirkende: Alan Curtis (Dirigent), Complesso barocco (Orchester), Alexandrina Pendatchanska (Solist Gesang), Tuva Semmingsen (Solist Gesang), Umberto Chiummo (Solist Gesang)

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