> > > > > 03.10.2009
Mittwoch, 23. September 2020

Tanz durch die Geschichte

Salome in Freiburg

Es ist typisch. Am Ende der Premiere erhalten den meisten Applaus: Gesangsensemble und Orchester. Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner aber werden, zumindest teilweise, ausgebuht. Dabei steckt die Inszenierung der 'Salome' von Richard Strauss durch Marcus Lobbes am Freiburger Stadttheater, mit Kostümen von Pia Maria Mackert und einem Bühnenbild von Victoria Behr, voller geistreicher Einfälle sowie historischer Anleihen und erweist sich trotz oder gerade aufgrund der ‚postmodernen’ Einstellung, die hinter ihr steht, als sehr schlüssig, weil sie sich immer auch an Oscar Wildes Textvorlage orientiert. Dass Narraboth etwa mit dem Pinsel den Satz 'Romani ite domum' an die abblätternde, wüstensandfarbene Hintergrundtapete malt – mit der Silhouette Jerusalems am Horizont – könnte man als willkürliche Anspielung auf einen Monthy Phython-Sketch aus dem Film 'Life of Brian' abtun, der ja bekanntlich ebenfalls zu Christi Lebzeiten spielt und wie Strauss' Oper ein heiter-böses Spiel mit der Geschichte darstellt. Aber ist der Salome blind verfallene Narraboth nicht im Grunde eine genauso treudoofe Figur wie Brian, die sich wegen einer Frau (Judith) ausnutzen lässt, nur um am Ende sinnlos zu sterben? Und dass der Tanz der sieben Schleier in einer Art perversen Variante des Spiels Topfschlagen besteht, in dessen Lauf sich die irre Salome vom lüsternen Herodes in einem Zelt fangen lässt und es ordentlich zur Sache geht, während Herodias sichtlich angefressen daneben steht, ist so frech wie originell. Denn wofür steht schließlich der penetrante Wunsch des Herodes, seine Stieftochter solle für ihn ‚tanzen’? Doch nur für das eine, so dass die Worte, 'Ah! Herrlich! Wundervoll, wundervoll! Siehst du, sie hat für mich getanzt, deine Tochter', eine zwar drastische, aber plausible Neudeutung erfahren.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Richard Strauss: 'Salome': Fabrice Bollon/Marcus Lobbes

Ort: Städtische Bühnen,

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Fabrice Bollon (Dirigent)

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