> > > > > 21.08.2009
Montag, 19. August 2019

Lucerne Festival setzt auf Expansion

Musik und Natur

Im Zeitalter des permanenten Wettbewerbs in fast allen Lebenssituationen bleiben auch die kulturellen Institutionen vom Konkurrenzkampf nicht verschont. Ganz vorne im Wettlauf um die Poleposition kämpft der Intendant des Lucerne Festivals, Michael Haefliger. Er ist ehrgeizig. Luzern soll eine Weltmusikstadt werden, nicht weniger. Mit Geld scheint man das für machbar zu halten. Nachdem 1998 das gelungene KKL (Kultur- und Kongresszentrum Luzern) des Architekten Jean Nouvel eröffnet wurde, setzt Haefliger nun alles daran, einen multivariablen Musiktheatersaal für 100 Millionen Fränkli zu bauen, auch, um dem Musiktheater im Festival mehr Raum zu geben.

Mahler im Mittelpunkt

Claudio Abbado hat seinen Vertrag als Chef des Lucerne Festival Orchestra gerade bis 2014 verlängert. Unter seiner Leitung versammelt sich regelmäßig eine Schar von hochrangigen Solisten, die mit den jungen Musikern des Mahler Chamber Orchestras sowie einigen Mitgliedern anderer prominenter Orchester in Luzern musizieren. So werden in diesem Sommer unter anderen einmal mehr die Geiger Kolja Blacher und Sebastian Breuninger, der Trompeter Reinhold Friedrich und die Cellistin Natalia Gutman als reguläre Orchestermitglieder spielen. Gustav Mahler steht im Mittelpunkt, und man darf Abbado als einen ausgezeichneten Mahler-Dirigenten bezeichnen.

Vor der Pause die 'Rückert-Lieder', von Magdalena Kožená (Artiste étoile) sehr differenziert verinnerlicht gesungen. Claudio Abbado mit seinem lyrischen Begleitstil kann auch hier meinen Eindruck nicht widerlegen, dass Mahler die Poetik Rückerts ein wenig zu spröde instrumentiert hat. Mahlers bekanntes Zitat „Meine Musik ist gelebt“ steht wie ein Fragezeichen im Raum, auch während der Vierten Sinfonie in G-Dur, die nach der Pause erklingt. Diese Musik beinhaltet eine Botschaft, und Mahlers Botschaft zeigt doch eine gewisse Zerrissenheit, wobei die Vierte sicherlich von einer immensen Lyrik geprägt ist. Liebevoll ironisch, im zweiten Satz mit grimassierender Verzerrung, führt Mahler in den ersten drei Sätzen auf den Gesangstext des vierten Satzes - 'Das himmlische Leben' aus 'Des Knaben Wunderhorn' - hin. Dieser Schlusssatz wird von Magdalena Kožená auch himmlisch leicht gesungen. Ihre Stimme besitzt eine vielschichtige Farbigkeit sowie starke Ausdrucksmöglichkeiten, auch wenn sie auf einem etwas gebrochenen Phrasierungsbogen singt. Das Orchester unter Abbado musiziert klar und leuchtend, mit einer anrührenden Zartheit aus hingehauchten Tönen, dennoch schillernd und geschmeidig. Sicherlich sind die hervorragenden Solisten im Instrumentalensemble hierbei ein Gewinn, doch vielleicht fehlt gerade deshalb auch eine Nuance im Orchesterklang, die nur aufgrund einer langen, kontinuierlichen Zusammenarbeit entstehen kann.

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Kritik von Midou Grossmann



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Lucerne Festival 2009: 21.8. 2009

Ort: Kultur- und Kongresszentrum (KKL),

Werke von: Gustav Mahler

Mitwirkende: Claudio Abbado (Dirigent), Mahler Chamber Orchestra (Orchester), Magdalena Ko?ená (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Lucerne Festival

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