> > > > > 20.08.2009
Freitag, 23. August 2019

Kammermusik im Casino

Ein Debüt junger Meister

Unter dem Slogan ‚Debut’ erhalten junge Talente während des Lucerne Festival die Möglichkeit sich der Öffentlichkeit vorzustellen, und das schon seit 1964. Jaqueline du Pré hat 1965 in Luzern debütiert, in diesem Jahr ist es die junge Cellistin Marie-Elisabeth Hecker, die mit ihrer Meisterschaft viele Musikfreunde an Jaqueline du Pré erinnert. Scheu und elfenhaft wirkt sie, die Künstlerin aus dem sächsischen Kirchberg. Zusammen mit dem Pianisten Martin Helmchen tritt sie im Luzerner Casino auf. Helmchen war schon 2006 Gast in Luzern, Kammermusik spielt er gern und oft, mit Partnern wie Tabea Zimmermann, Christian Tetzlaff, und nun auch mit Marie-Elisabeth Hecker, die schon vor drei Jahren als 19jährige ‚Die Zeit’ mit ihrem Spiel zum Schwärmen bewegte.

Zum Auftakt gibt es Beethovens sieben Variationen über 'Bei Männern, welche Liebe fühlen’ aus Mozarts 'Zauberflöte’ zu hören, gefolgt von Schostakowitschs Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40 sowie die Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy, eine interessante Programmauswahl. Doch der Vortrag der jungen Solisten wirkt etwas gehemmt, vielleicht auch wegen der großen Hitze, die schon am Vormittag über der Stadt liegt. Helmchen scheint den Ton anzugeben in diesem Duo, er musiziert durchaus brillant, und doch fehlt seinem Spiel eine gewisse Bestimmtheit.

Die Beethoven-Variationen dürften frecher klingen und Schostakowitschs Sonate besitzt auch ironische Akzente, neben der schön musizierten Verinnerlichung. Der in der Kammermusik so wichtige Dialog zwischen den Solisten kann sich hier aber selten aufbauen. Für Martin Helmchen gilt, dass virtuos aufspielen nicht zwangsläufig bedeutet, dass man sein Publikum auch gefühlsmäßig bewegen kann. Mendelssohns Sonate gelingt am Besten, voller Klangsinnlichkeit entwickelt sie zum Schluss doch eine soghafte Wirkung.

Marie-Elisabeth Hecker spielt wie immer mit einer schlafwandlerischen Sicherheit und setzt wieder einmal ihren außergewöhnlichen warmen und schwebenden Klang in den Raum, der zugleich kraftvoll mit einer meisterhaften Phonetik ausmoduliert wird. Ein Cello muss singen, und es sang, voller Natürlichkeit und Eindringlichkeit. Das Publikum belohnte die begabten Nachwuchskünstler mit viel Applaus, ein kleines Cello-Solo als glänzender Abschluss hätte es sicherlich noch verdient.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Midou Grossmann



Kontakt zur Redaktion


Lucerne Festival: Casino - 20.8.2009

Ort: Kultur- und Kongresszentrum (KKL),

Werke von: Ludwig van Beethoven, Dimitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdy

Mitwirkende: Martin Helmchen (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter Lucerne Festival

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich