> > > > > 21.08.2004
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Joseph Haydn

Erlesenes Interpreten-Dreigestirn in Innsbruck

Berufene Interpreten

Die Kammermusik stellt ganz andere Anforderungen als das konzertante Solospiel; wenn sich drei hervorragende Solisten zu einem kammermusikalischen Rendezvous zusammenfinden, darf man auf das Ergebnis gespannt sein. Die Dame und die zwei Herrn, die das Festwochen-Konzert im Spanischen Saal von Schloss Ambras bei Innsbruck bestritten, sind anerkannte Stars: Die Geigerin Elizabeth Wallfish ist eine anerkannte Autorität als Barockgeigerin und Ensembleleiterin vom Violinpult aus, dazu eine Künstlerin mit einem sehr breiten Repertoire. Der Cellist Jaap ter Linden hat im Lauf seiner langen Karriere mit fast allen namhaften Ensembles der Alte Musik-Szene zusammengearbeitet. Ronald Brautigam (Hammerklavier) ist nicht nur einer der führenden Spezialisten für historische Tasteninstrumente, sondern widmet sich auch dem romantischen und modernen Repertoire, wie seine umfangreiche Diskographie belegt. Wallfish, ter Linden und Brautigam haben sich zu einem Klaviertrio formiert, um Werke des klassischen Komponisten-Dreigestirns Mozart, Haydn und Beethoven zu interpretieren.

Das ebenso großzügig bemessene wie klug zusammengestellte Programm begann mit Mozarts Klaviertrio in G-Dur KV 496. Dieser erste gewichtige Beitrag Mozarts zur Gattung besticht unter anderem durch eine höchst dramatische Durchführung im Kopfsatz und kontrapunktisch gearbeitete Passagen. Als nächstes erklangen Beethovens Variationen über ‘Bei Männern welche Liebe fühlen’ aus Mozarts Zauberflöte. Niemals verleugnet dieses Werk seine Zweckbestimmung als ‘Showpiece’ für einen Virtuosen; zu den inspiriertesten Kompositionen Beethovens zählen die Variationen sicher nicht, wohl aber zu den technisch anspruchsvollsten. Den Abschluss des ersten Teils bildete das Klaviertrio in C-Dur (Hob. XV:17) von Joseph Haydn, ein Werk voller Witz und Charme mit einem mitreißend schwungvollen Schlusssatz. Nach der Pause widmeten sich die Musiker ausschließlich Ludwig van Beethoven: Zu Gehör gebracht wurden die hochvirtuose F-Dur-Violinsonate (‘Frühlingssonate’) und das frühe, leidenschaftliche c-Moll-Klaviertrio.

Beste Musizierlaune und musikantisches Feuer

Wallfish, ter Linden und Brautigam verstehen sich gut, das merkte man sofort. Sie kommunizieren auf derselben Wellenlänge und sprechen dieselbe musikalische Sprache. Es war absolut faszinierend mitzuerleben, wie überaus sensibel die Musiker auf einander eingingen und ihre eigenen solistischen Ambitionen zu Gunsten eines gemeinsamen kammermusikalischen Atmens in den Hintergrund drängten. Gleichzeitig war allen dreien – vor allem aber Jaap ter Linden – die Freude am gemeinsamen Musizieren jederzeit anzumerken. Die schnellen Sätze wurden mit musikantischem Feuer erfüllt, wie zum Beispiel der Schlusssatz des Haydn-Trios, der mit Recht auch als Zugabe gebracht wurde: Hier schienen Ronald Brautigams Fingerfertigkeit keine Grenzen gesetzt, während sich die Streicher in launigen Neckereien ergingen. Das Vergnügen, das die Musiker dabei empfanden, war unübersehbar und unüberhörbar. Darüber hinaus bewiesen die Musiker, dass die bei modernen Instrumenten oft genug problematische Balance zwischen Klavier, Violine und Cello bei ‘alten’ Instrumenten praktisch kein Thema ist: Wie selbstverständlich mischt sich der fein perlende Ton des Hammerklaviers mit den obertonreichen Streichinstrumenten.

Hervorragende Einzelleistungen

Elizabeth Wallfish spielte mit intensivem, fülligem Ton und technisch absolut untadelig. In ihrer Interpretation der Frühlingssonate bewies sie, dass sie über ein hohes spieltechnisches Können verfügt und dazu ihr Instrument zum Singen bringen kann. Einzig das geisterhafte, ebenso kurze wie vertrackte Scherzo dieser Sonate gelang nicht mit letzter Sicherheit. Jaap ter Linden fungierte als Seele des Unternehmens. Er versprühte ein Höchstmaß an Energie und Freude am Zusammenspiel. Selbst dort, wo er zu bloßer Bassfunktion ‘verdammt’ war, beseelte er seinen Part und wertete ihn damit auf. Mimik und Gestik stimulierten die Musizierpartner und das Publikum gleichermaßen. In den Variationen über ‘Bei Männern, welche Liebe fühlen’ stellte er seine absolute Beherrschung des Cellos unter Beweis und ließ die hohen Anforderungen vergessen.
Ronald Brautigam verstand es, das Klavier (einen Walter-Nachbau) zum Singen zu bringen. Seine technischen Fähigkeiten beeindruckten ebenso wie die gestalterischen. Scheinbar mühelos bewältigte er extreme Anforderungen namentlich rhythmischer Art (Haydn-Schlusssatz, Beethoven).

Ein unvergesslicher Abend

Das Trio Wallfisch – ter Linden – Brautigam begeisterte des Publikum. Das war eines jener Konzerte, bei denen alles passt: Ein interessantes und abwechslungsreiches Programm in stilvollem Ambiente, präsentiert von herausragenden Musikern. Respekt vor den großen Meistern Mozart, Haydn und Beethoven und ihren berufenen Interpreten!

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Dr. Franz Gratl



Kontakt zur Redaktion


Klassische Klaviertrios:

Ort: Schloss Ambras,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven

Mitwirkende: Elizabeth Wallfish (Solist Instr.), Jaap ter Linden (Solist Instr.), Ronald Brautigam (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter Innsbrucker Festwochen

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