> > > > > 26.10.2008
Freitag, 29. Mai 2020

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Konzerthaus Berlin, Copyright: Ansgar Koreng

Konzerthaus Berlin, © Ansgar Koreng

Daniel Hope bringt Glanz ins Berliner Konzerthaus

Eine Mozart-Matinee mit Kaffee und Croissants

?Mmmh?Mozart?, so lautet der Werbeslogan für Lothar Zagroseks Mozart-Matinee im Konzerthaus Berlin. Bevor die Musik beginnt, wird das Publikum zu reichlich Kaffee und Croissants eingeladen. Familien mit Kleinkindern können ihren Nachwuchs gegen einen geringen Aufpreis im Kleinen Saal abgeben. Dort läuft parallel zum Haupt-Act ein pädagogisch wertvolles Betreuungsprogramm.

Auch wenn die Idee, aus einem klassischen Sonntagskonzert einen Familienevent zu zaubern, keineswegs neu ist ? der Erfolg ist beeindruckend. Das bunt durchmischte Publikum spaltet sich dabei in zwei Lager: die Genießer, die bis zur letzten Minute im Frühstücksraum verweilen und in Gespräche versinken, und die Entsagungsvollen, die sich bereits eine halbe Stunde zuvor vor den Pforten zum Großen Saal sammeln, um ihren Traumplatz zu ergattern. Denn: Die Platzwahl ist frei. Derweil bekommt jeder Besucher ein spärliches Programmblatt mit Informationen über die Mitwirkenden in die Hand gedrückt. Wer etwas über die Musik erfahren möchte, muss mit Lothar Zagroseks kurzen Anmoderationen zwischen den Stücken vorlieb nehmen.

Lustigerweise ? Dirigent Zagrosek kann es selbst nicht so genau erklären ? beginnt der Konzertmorgen mit einem 'Nachtstück', Mozarts wenig bekanntem Notturno für vier Miniorchester KV 286. So ungewöhnlich die Besetzung anmutet, so melodisch schlicht gestaltet sich die Komposition in ihrer echomäßigen Verschränkung der Ensembles. Das Konzerthausorchester teilt sich in vier Gruppen auf: drei im Parkett, eine auf dem Podium. Auf Wunsch des Dirigenten werden die Saallampen gelöscht, um eine nächtliche Atmosphäre herzustellen. Brav, aber noch etwas schläfrig verrichten die Musiker ihren Dienst. Weich und einlullend ist ihr Mozart, der behutsam zwischen Mezzoforte und Mezzopiano changiert. Ein Mozart, bei dem einem die Augen zufallen ? hätte es vorher keinen Kaffee gegeben.

Geiger Daniel Hope ist an diesem Morgen der Stargast. Er bringt mit Mozarts G-Dur-Violinkonzert KV 216 nicht nur Bewegung ins Orchester, er sorgt auch für Glanz im Konzerthaus. Wach und intelligent artikuliert er den ersten Satz. Im Adagio schwingt er sich zu betörenden Kantilenen in die Höhe. Hopes Spiel verbinden auf natürliche Weise historische Informiertheit und moderne Klangkultur, fundierte Rhetorik und geschmeidige Emphase. Als Nachschlag gibt es Mozarts Adagio in E-Dur KV 261. Hope ruht in sich, dringt zärtlich ins Ohr der Zuhörer. Das Orchester, lange Zeit etwas matt im Klang, beginnt zaghaft zu blühen.

Am Schluss der rund 70minütigen Matinee steht Mozarts frühe Sinfonie in F-Dur, KV 112. Mit konzentrierter Ungeduld drängen die Musiker in den Außensätzen vorwärts. Im Andante üben sie sich augenzwinkernd in der Kunst des höfischen Benehmens, um sich anschließend behaglich und vergnüglich im Menuettrhythmus schaukeln. Daniel Hope, so scheint es, hat das Konzerthausorchester an diesem Morgen wachgeküsst.

Umringt von einer großen Zuschauertraube gibt der sympathische Brite mit irischen und deutschen Wurzeln nach dem Konzert Autogramme. Entspannt und interessiert plaudert er mit seinen Bewunderern. Hope ist ein Star zum Anfassen, ein Interpret, der gerne engen Kontakt zum Publikum hat. Sein medialer Erfolg beruht nicht allein auf musikalischer Größe, sondern auch auf seinen rein menschlichen Qualitäten. Hope verkörpert Gentleman, Kumpeltyp und Wunschschwiegersohn in einer Person. Und er nutzt seinen immer stärker werdenden Einfluss für gute Zwecke. Am 9. November beispielsweise, so ist auf einem Plakat neben dem Signiertisch zu lesen, findet in Berlin ein von Hope initiiertes Benefizkonzert zum Gedenken an die ?Reichskristallnacht? vor 70 Jahren statt ? mit Sol Gabetta, Hélène Grimaud, Thomas Quasthoff und vielen anderen hochkarätigen Musikerfreunden des Geigers. 

Kritik von Felix Stephan



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Eine Mozart-Matinee mit Kaffee und Croissants: Daniel Hope bringt Glanz ins Berliner Konzerthaus

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Lothar Zagrosek (Dirigent), Konzerthausorchester Berlin (Orchester), Daniel Hope (Solist Instr.)

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Detailinformationen zum Veranstalter Konzerthaus Berlin

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