> > > > > 09.10.2008
Dienstag, 30. November 2021

Gustav Mahler

Mahlers 4. Symphonie im Weimarer Gesprächskonzert

„Was mir das Kind erzählt“

“Aus der Perspektive der Kindheit als ursprünglicher Dimension des Menschen kann das Wesen der mystischen Erfahrung greifbar werden.“ (Giorgio Agamben, "Kindheit und Geschichte") Gustav Mahler hat in seinen ersten vier Symphonien als „Mystiker“ komponiert – so die Hauptthese in George Alexander Albrechts neuer opulenter Mahler-Monographie. In seinem gestrigen Gesprächskonzert hat der Ehrendirigent der Weimarer Staatskapelle diese Idee nun erstmals einem Publikum in Sprache und Musik nahe gebracht. Die 4. Symphonie war ein vorläufiger Höhepunkt in der von Albrecht umschriebenen Entwicklung. Nach ihr hat Mahler den auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen thematisiert, und ein musikalisches Subjekt gestaltet, das nunmehr vollends „der Welt abhanden gekommen“ schien. In der 4. Symphonie begegnet uns ein ganz anderes Idealbild: das Kind. Albrecht hat die Außerordentlichkeit erkannt, mit der Mahler die Welt der Kindheit weit über die celeste Ebene des Himmelsreiches erhob. Das hatte so vor Mahler in der Musikgeschichte noch keiner gewagt. Doch Albrecht überzeugt in seinem Gesprächskonzert weniger durch die Worte seiner all zu didaktischen Einführung, als durch die Taten seines Dirigierstabes und eine überzeugende Interpretation. Der erste Teil ist folglich noch äußerst langatmig und auch etwas zu bieder. Als der „Heinz Rühmann unter den Stardirigenten“ ist Albrecht zwar ein erstklassiger Märchenonkel und großartiger Rhetoriker, dem man gern zuhört, aber mit einer tiefsinnigen Auseinandersetzung mit der Kunst Gustav Mahlers hat das – ganz im Gegensatz zur späteren Interpretation – eher wenig zu tun. Auch verwundert es, dass ausgerechnet der Mahler-Experte Albrecht mit Mahler bricht und in seinen subjektiven Assoziationen vom „Rodelschlitten bis zur Schneeballschlacht“ genau das „Programm“ liefert, das Mahler ja letztlich nicht mehr seinem Publikum oktroyieren wollte. Albrechts Ideen und Imaginationen sind zwar durchweg plausibel und das Publikum ist sowieso froh über jede Hilfestellung – doch wird hier nicht Mahlers Intention konterkariert? Dies geht soweit, dass Albrecht die Legende auspackt, wonach Gustav Mahler mit seinen Kindertotenliedern den späteren tatsächlichen Tod seiner Tochter Maria-Anna prophetisch (durch seine Künstlergenie?) geahnt habe. Die kritische Distanz zu jeder Genieästhetik fehlt Albrecht nicht nur hier.

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Kritik von Toni Hildebrandt



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Konzert des Ehrendirigenten : Gesprächskonzert Gustav Mahler 4. Symphonie G-Dur

Ort: Weimarhalle,

Werke von: Gustav Mahler

Mitwirkende: George Alexander Albrecht (Dirigent), Staatskapelle Weimar (Orchester)

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