> > > > > 01.10.2008
Samstag, 21. September 2019

Auferstehung Untot(zukriegend)er

Die verblüffendste Erkenntnis beim Betrachten dieser Inszenierung von ‚Wiener Blut’ im Hebbel Theater Berlin ist, dass die brillant konstruierte Verwechslungskomödie von Victor Léon und Leo Stein aus dem Jahr 1899 (unter Verwendung der Melodien von Johann Strauß jr.) so unglaublich modern ist: jeder ist mit jedem in amouröse Abenteuer verwickelt, klassen- und standesübergreifend, jeder geht mit jedem fremd, egal wann, wo oder wie, jeder wechselt dabei andauernd die Identität; und inmitten der verwirrenden Szenen-einer-Ehe im Haus des Grafen Zedlau, Gesandter des Fürstentums Reuß-Schleiz-Greiz in Wien (herb-markant: Mariel Jana Supka), entpuppt sich ausgerechnet der nur noch von seinen Hormonen getriebene Hausherr selbst als ‚Sexsüchtiger’ im ganz heutigen Sinn der Wortes, der nach Gattin (wunderbar steif: Verena Unbehaun) und Geliebter (schrill sexy: Nadja Petri) auch noch die Probiermamsell Pepi (beschränkt-billig: Cathrin Romeis) flachlegen muss, weil er sonst keine Ruhe findet, wobei er singt: ‚Und morgen dann/fang’ ich von vorne an!’ Wer schon einmal mit Sexsüchtigen zu tun hatte, kann hier – inmitten der übersprudelnden Burleske – durchaus die Schattenseite der Lust entdecken, die zwar schonungslos ehrlich dargestellt wird, aber in bester Operettenmanier vorm Abgleiten ins Tragische bewahrt wird.

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Kritik von Dr. Kevin Clarke

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Johann Strauß Abend im Hebbel Theater: Cordula Däuper inszeniert Operetten-Klassiker

Ort: Hebbel am Ufer,

Werke von: Johann Strauß, jun.

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