> > > > > 03.09.2008
Samstag, 10. Dezember 2022

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Adrianne Pieczonka als Marschallin in Dresden

Und in dem „Wie“ da liegt der ganze Unterschied –

Dresden, Semperoper, die Saison hat gerade begonnen. Unter den ersten Vorstellungen die 41. Aufführung von ‘Der Rosenkavalier’. Die Inszenierung vom Oktober 2000 wirkt aufgeräumt und aufgefrischt. Musikalisch gibt es dazu unter der Leitung von Fabio Luisi einen regelrechten Silberrosenregen an diesem Abend vor total ausverkauftem Haus.
Nicht jede Vorstellung des Dresdner Dauerbrenners hinterließ einen so rundum glücklichen Eindruck. Das mag zunächst daran liegen, dass Adrianne Pieczonka als Marschallin eine gesangliche und darstellerische Leistung präsentiert wie man sie auch leider lange so nicht geboten bekam. Sie ist eine sehr zeitgemäße Frau. Keine flachen Sentimentalitäten, dafür tief ausgelotete Darstellung der Persönlichkeit im Konflikt zwischen ‘halten und nehmen, halten und lassen…’ Ein wunderbar klingender Sopran, von lyrischer Feinsinnigkeit mit berührenden Pianopassagen, wo nötig aber auch von dramatischer Kraft, der immer ein Hauch der Verletzbarkeit eigen ist. Phänomenal sind die Textverständlichkeit und Sprachbehandlung der Sängerin.   


Antigone Papoulkas ist in Erscheinung und Spiel eine ideale Darstellerin des Octavian, der auch die heiklen Verkleidungen ohne peinliche Übertreibungen gelingen. Gesanglich bietet sie eine geradlinige Leistung, besonders der jugendliche Klang ihrer schlanken Stimme ist rollengemäß. Mitunter aber, und das gilt auch für Agnete Munk Rasmussen als Sophie, überdeckt das Orchester die Stimmen jeweils zu sehr, was in diesem Falle nicht ausschließlich dem Dirigat geschuldet ist. Im Zusammenklang, in den Duetten und im Terzett des dritten Aufzuges, gibt es an diesem Abend traumhaft schöne Momente. Kurt Rydl ist der Baron Ochs. Aufflammende Lebenslust. Entweder oder. Kein Räsonieren. Zupacken wo sich Gelegenheiten bieten. Die Zeit läuft und sie ändert eben doch etwas an den Sachen. Dem Sängerdarsteller gelingt das tragikomische Porträt eines Mannes, der die Zeichen der Zeit nicht zu deuten vermag. Im großen Ensemble, stellvertretend genannt, mit saftigen Studien komischer Typen, Hans-Joachim Ketelsen als Faninal und Andrea Ihle, die aufgedrehte Jungfer Marianne Leitmetzerin. Nicht zu vergessen, Francesco Demuro als italienischer Sänger, der für Wookyung Kim einspringt und wie so oft in solchem Fall, Gewinner ist. Verdient! Der junge Sänger liefert eine Glanzleistung.


Der Hauptgewinn dieses Abends aber ist das Spiel der bestens aufgelegten Damen und Herren der Staatskapelle unter der Leitung von Fabio Luisi. Als gelte es doch die verrinnende Zeit zu überlisten, treibt Luisi immer wieder richtig stürmisch voran, um dann – als sei alle Ruhe der Welt eingekehrt – zu verweilen. Ist der Walzer des Ochs am Ende des zweiten Aufzuges noch von animalisch-faunischer Stimmung und Vorfreude durchzogen, so haben die gefeuerten Walzerfetzen des dritten Aufzuges infernalische Tendenzen. Im Gegensatz dazu immer wieder der trügerische Silberklang, die schönen Verschwörungen der Soprane, dem letztlich doch zu misstrauen ist. Eine solche Komödie für Musik setzt Maßstäbe für die Opernsaison.  

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Dresden Semperoper: Der Rosenkavalier

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Fabio Luisi (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Adrianne Pieczonka (Solist Gesang), Antigone Papoulkas (Solist Gesang), Agnete Munk Rassumussen (Solist Gesang), Kurt Rydl (Solist Gesang), Hans-Joachim Ketelsen (Solist Gesang), Andrea Ihle (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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