> > > > > 10.07.2008
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Premiere vom 'Weißen Rössl' in Mörbisch

Tanzendes Hakenkreuz bei Operettenfestspielen

Die von den Autoren Ralph Benatzky (Musik), Hans Müller (Text) und Erik Charell (Konzeption und Regie) augenzwinkernd als ‚Singspiel’ bezeichnete gigantomanische Revue-Operette ‚Im weißen Rössl’, 1930 im Berliner Großen Schauspielhaus mit Superstarbesetzung uraufgeführt und danach schnell in der ganzen Welt (von New York bis Sydney und Argentinien) nachgespielt, ist ein Paradebeispiel für alles, was an der deutschsprachiger Jazz-Operette der 1920er Jahre faszinierend und bewundernswert war: in ihr zeigt sich das deutsche Unterhaltungstheater auf der Höhe der Zeit, musikalisch weltoffen für die Tanzmoden aus Übersee, die brillant mit heimischen Klängen verwoben werden, großstädtisch, intelligent, glamourös, frech und unwiderstehlich durchgedreht. Das Berliner Ur-‚Rössl’ war ein Stück, das es jederzeit mit Hollywood und Broadway aufnehmen konnte, was Besetzung, Aufmachung und musikalische Textur anging. Nicht umsonst sicherte sich Warner Brothers sofort die Filmrecht, nicht umsonst begannen unmittelbar Verhandlungen für eine Broadwayproduktion. 1930 war Operette Made in Berlin noch ein Exportschlager. Dann kamen die Nationalsozialisten und definierten das Genre um zu heimeliger Folklore; fortan wollte die neuen Stücke niemand jenseits der Landesgrenzen sehen. Das ‚Rössl’ verschwand von den Spielplänen des Dritten Reichs, wegen seines aufmüpfigen Inhalts, seiner skandalösen Badeszene, seiner halbnackten Tiroler Jungs und Mädchen, seiner ‚entarteten’ Rhythmen, wegen des despektierlichen Umgangs mit Heimat, vor allem aber wegen der jüdischen Schöpfer. Als Ersatz wurde Fred Raymonds ‚Saison in Salzburg’ dem Volk offeriert, konnte aber nie einen vergleichbaren Siegeszug rund um den Globus antreten, weil solche Unterhaltung nur in Deutschland und Österreich ein Publikum fand.

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Kritik von Dr. Kevin Clarke

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Zuschauerrekord in Mörbisch 2008: Harald Serafin mimt den Kaiser Franz Joseph

Ort: Seebühne,

Mitwirkende: Ralph Benatzky (Inszenierung)

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