> > > > > 06.05.2008
Sonntag, 26. Juni 2022

Julia Fischer spielt Schostakowitsch

Maßstabsetzend

Dmitri Schostakowitschs erstes Violinkonzert zeigt wie stark das Schaffen des Komponisten mit den politischen Rahmenbedingungen verflochten war: Die Komposition war bereits 1948 abgeschlossen, allerdings musste die Partitur dann mehrere Jahre ihr Dasein in der Schublade fristen, da das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei im Februar 1948  zu einem weiteren Rundumschlag ansetzte und im Zusammenhang mit der Aburteilung von Muradelis Oper ‘Die große Freundschaft’ vorsorglich auch zahlreiche andere nonkonformistische Musiker wie Prokofjew, Chatschaturjan, Schebalin, Popow und Mjaskowski zu personae non gratae erklärte und ihre Namen in die Liste der volksfeindlichen Tendenzen Verfolgenden aufnahm. Bis zu der Uraufführung des Violinkonzerts, die 1955 stattfand, nahm Schostakowitsch gründliche Revisionen vor. Diese erste Aufführung wurde von David Oistrach, dem es auch gewidmet ist, in einem Konzert mit dem Leningrader Philharmoniker unter Jewgeni Mrawinski gespielt. Heute zählt dieses technisch überaus schwierige Konzert zu den Fixpunkten des internationalen Konzertrepertoires. In Wien war es in jüngerer Vergangenheit in überzeugenden Interpretationen Vadim Repins beziehungsweise Janine Jansens zu hören, die aber beide nicht die Spitzenklasse Julia Fischers erreichten. Fischer spielt das Konzert mit dem ihr eigenen runden und leuchtenden Ton, wobei das einleitende, verhaltene Notturno bereits eine Probe ihres gestalterischen Potenzials zeigt. Im weiteren Verlauf erlebt man hier eine perfekte Kombination von niemals aufgesetzt wirkendem Ausdruck und einer souveränen, über technischen Fragen stehender Virtuosität, die auch in der Kadenz des dritten Satzes nicht an ihre Grenzen stößt. Die Wiener Symphoniker, ein  häufig nicht unbedingt sensibel agierender Klangkörper, zeigten sich von ihrer besten Seite und gingen unter der Leitung Yakov Kreizbergs auf das differenzierte Spiel der Solistin ein. Nach der Pause folgte eine leider wenig Eindruck hinterlassende Interpretation von Dvoraks zwischen 1884 und 1885, für das Londoner Publikum geschriebener, siebter Symphonie, die diesmal in der Aufmachung eines grellen Lärmstücks daherkam.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Maßstabsetzend: Julia Fischer spielt Schostakowitsch

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Dimitri Schostakowitsch, Antonín Dvorák

Mitwirkende: Yakov Kreizberg (Dirigent), Wiener Symphoniker (Orchester), Julia Fischer (Solist Instr.)

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