> > > > > 06.05.2008
Samstag, 22. Januar 2022

Ludwig van Beethoven

Streichtrios von Mozart und Beethoven

Ein Streifzug durch die Wiener Klassik

Ein bisschen viel Wiener Klassik ist es schon gewesen, was Frank Peter Zimmermann (Violine), Antoine Tamestit (Viola) und Christian Poltéra (Violoncello) da am Dienstagabend in der Essener Philharmonie in Streichtriobesetzung präsentierten, denn der Fokus lag allein auf Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Ein kleiner Blick in die Moderne – als Ersatz für eines der beiden Beethovenschen Trios? – wäre möglicherweise gar nicht so verkehrt gewesen und hätte dem Programm mehr Farbigkeit verliehen … das habe ich mir zumindest hinterher gedacht. Aber ich muss zugeben: Auch ohne solche Ausflüge war es eine rundum gelungene Veranstaltung, und dazu trug wohl nicht zuletzt auch das wie aus einem Guss wirkende Programm bei. Allerdings musste sich das ‚Trio um Frank Peter Zimmermann’ – und das ist angesichts der hochkarätigen Musiker doch bedauerlich – mit einer eher geringen Anzahl von Zuschauern zufrieden geben. Das Ensemble wirkte auf der Bühne des riesenhaften Alfried Krupp Saals reichlich verloren, und auch der Klang geriet, besonders bei kontrastierend eingesetzten Pianopassagen, gelegentlich ein wenig verwaschen, wodurch die von den Musikern angestrebte Differenzierung verloren zu gehen drohte.

Nichtsdestotrotz gaben die drei ihr Bestes, legten sich mächtig ins Zeug, gingen die im ersten Teil zu hörenden Beethoven-Streichtrios G-Dur op. 9 Nr. 1 und c-Moll op. 9 Nr. 3 klangvoll und sehr gut aufeinander eingespielt an. Da waren, etwa im ‚Adagio, ma non tanto, e cantabile’ des G-Dur-Trios, schwelgerisch ausformulierte Melodielinien zu vernehmen; da war aber auch – so im ‚Allegro con brio’-Teil seines Kopfsatzes – die Bereitschaft erkennbar, den Gegensatz zu diesem ausgewogenen Schönklang zu suchen und besondere harmonische Wendungen durch vibratolosen Vortrag Nachdruck zu verleihen, was den entsprechenden Passagen eine immense Spannung verlieh. Wunderbar schroff wirkte dagegen das in seinen Akzentuierungen besonders gelungene Scherzo aus dem c-Moll-Trio, womit die Musiker auf das ständige Spiel mit Licht und Schatten zurückverwiesen, das sie bereits in der gleichfalls schroffen Kopfsatz-Durchführung dieser Komposition herausgearbeitet hatten. Frappierend geriet – selbst für Kenner des Werkes – dann auch die plötzlich Wendung, die das ‚Presto’-Finale nimmt, wenn sich am Ende der herbe Moll-Tonfall zum Dur wendet, dabei jedoch nicht etwa in Emphase verfällt, sondern in Piano-Akkorden verklingt.

Im zweiten Teil des Konzerts erklang mit Mozarts riesenhaftem, sechssätzigen Es-Dur-Divertimento eine Komposition, deren ambivalente Stellung zwischen anspruchsvoller Kammermusik und serenadenhaftem Tonfall die Interpreten grundsätzlich vor Probleme stellt. Zimmermann, Tamestit und Poltéra meisterten diese Hürde bravourös, indem sie bei ihrer Wiedergabe gekonnt die Balance zwischen den unterschiedlichen Ausdrucksbereichen hielten und gerade aus dem Beharren auf deren gegensätzlichen Positionen eine Spannung entwickelten, die man sonst häufig vermisst. Die verschiedenartig angelegten Dialoge zwischen Violine und Viola, die den Kopfsatz durchziehen und mit viel Spielwitz entwickelt wurden, fanden in der auf Kontraste setzenden Klangfarbengestaltung beim Vortrag des ‚Adagios’ ebenso ihre Fortsetzung wie in den beiden rhythmisch prägnant gezeichneten Menuetten. Besonders überzeugend wurde aber auch der an vierter Stelle platzierte ‚Andante’-Variationssatz umgesetzt, bei dem die Musiker den Aspekt der Virtuosität hervorkehrten, während sie im Finale das Schwanken zwischen Heiterkeit und kontrapunktischem Ernst bis zur Neige auskosteten.

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Kritik von Prof. Dr. Stefan Drees

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Trio um Frank Peter Zimmermann: Zimmermann - Tamestit - Poltéra

Ort: Philharmonie,

Werke von: Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Frank Peter Zimmermann (Solist Instr.)

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