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Sonntag, 28. November 2021

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Othmar Schoecks Oper krönt die Saison in Dresden

Keine Konkurrenz für Penthesilea

Da müssten schon noch Wunder geschehen in den letzten Tagen der Dresdner Opernsaison. Da müsste die Normalpreis-Besetzung der neuen Rigoletto-Inszenierung in wenigen Tagen einschlagen wie ein Blitz oder Maestro Luisi mit seinem finalen Dirigat am Pult des Dresdner Rosenkavalierorchesters für ein neues Strauss-Wunder sorgen. Und selbst dann dürfte es schwierig werden den Eindrücken, die in der für diese Saison letzten Aufführung der ‘Penthesilea’ das Publikum wieder zum Rasen brachten, etwas entgegenzusetzen, das der inzwischen verbreiteten Meinung wiederspricht, dass diese Inszenierung der wahre große Erfolg der Saison ist. Auch nach fast fünfmonatiger Abstinenz erweist sich die ästhetische Kraft dieser Tragödie, die auf uns mit der Vehemenz des antiken Theaters zu rast, in der sechsten Aufführung seit der Premiere als ungebrochen.

Wieder überrascht die Staatskapelle unter der Leitung von Gerd Albrecht mit einer sensibel abgestuften Skala der Emotionen, mit einer Fülle von Klangfarben und Gesten musikalischer Schilderungen jenes unglaublichen Liebestodes der Penthesilea und des Achilles. Kleists oftmals für unspielbar gehaltener Text, vom Komponisten noch verknappt, erfährt in dessen Musikalisierung jene Erweiterung, die Kraft der Klänge Grenzen des Sagbaren überwindet. Und in der Musik der Staatskapelle wird alles Laute nie zum Lärm. Im Allerleistesten noch ist der Schrei zu hören, der dieses kampflüsterne Spiel durchfährt. Allem, was hier bereits anlässlich der Premiere zur Inszenierung gesagt wurde, ist nichts hinzuzufügen. Günter Krämers Inszenierung mit den Choreografien Otto Pichlers ist exakt geblieben im nach wie vor faszinierenden und funktionierenden Bühnenbild von Jürgen Bäckmann.

Und natürlich ist die Penthesilea in der Kraft der Gestaltung, die die großartige Iris Vermillion aus der Verletzlichkeit ihrer Persönlichkeit bezieht, eines der rar gewordenen Ereignisse eines existenziellen Abends des Musiktheaters. Mit Iris Vermillion wird ein Ensemble gefeiert, das sich hören und sehen lassen kann: Milana Butaeva, Antigone Papoulkas, Alexandra Petersamer und Birgit Fandrey als Protoe, Meroe und die beiden Priesterinnen. Als Diomedes in zweifacher Gestalt Thomas Müller und Mirko Tuma, den Herold gibt Matthias Henneberg, den Hauptmann Peter Lobert. Markus Nieminen, so smart wie gefährlich, präsentiert sich als Achilles. Mit der Härte schnarrender Deklamationen aus den Höhen klassischer Hoftheaterambitionen fügt sich Anna Franziska Srna in den musikalischen Duktus der Tragödie und bringt sogar einen Funken romantischer Ironie ins toternste Spiel.

Das 1927 in Dresden uraufgeführte Werk bleibt im Repertoire, für die neue Saison sind drei Vorstellungen am 27. & 29. März und am 1. April 2009 vorgesehen. Kurz zuvor, am 15. März, kommt erneut eine Oper auf die Bühne des Semperbaus, die in erster, dreiaktiger, Fassung 1926 hier uraufgeführt wurde, ‘Cardillac’ von Paul Hindemith. Dresden und seine Traditionen, offensichtlich noch ein weites Feld.


Sächsische Staatsoper Dresden Semperoper
Alexandra Petersammer, Peter Lobert, Anna Franziska Srna, M.Butaeva, M.Nieminen, Iris Vermillion Markus Nieminen (Achilles), Iris Vermillion (Penthesilea) Markus Nieminen (Achilles), Iris Vermillion (Penthesilea)

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Sächsische Staatsoper Dresden Semperoper: Othmar Schoeck, Penthesilea

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Othmar Schoeck

Mitwirkende: Gerd Albrecht (Dirigent), Günter Krämer (Inszenierung), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Peter Lobert (Solist Gesang), Matthias Henneberg (Solist Gesang), Mirko Tuma (Solist Gesang), Thomas Müller (Solist Gesang), Birgit Fandrey (Solist Gesang), Alexandra Petersamer (Solist Gesang), Milana Butajewas (Solist Gesang), Antigone Papoulkas (Solist Gesang), Iris Vermillion (Solist Gesang), Mark Niemienen (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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