> > > > > 15.03.2008
Donnerstag, 8. Dezember 2022

Rosenkavalier mit Gipfeltreffen schöner Stimmen

Sopranverschwörung in Berlin

Es gibt Aufführungen, die scheinen mit der Zeit zu reifen. Eine solche ist Götz Friedrichs Rosenkavalierinszenierung aus dem Jahre 1993 an der Deutschen Oper Berlin. Seine Spiegelungen dieses mit Anachronismen und Scheinseligkeiten spielenden Dramas von der Einsamkeit des Herzens in den Traumräumen von Gottfried Pilz werfen grelle und milde Lichter zugleich auf die Zeit der Entstehung des Stückes. Wenige Jahre vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges bewegen sich die Protagonisten auf Spiegelflächen wie auf Eis, gefallen sich darauf in ominösen Selbstbespiegelungen um am Ende in vierfacher Einsamkeit in den dadaistischen Tingeltangelkulissen ihres eigenen Illusionstheaters im ruhmlosen Finale ihrer eigenen menschlichen Komödien dazustehen. Die Farce ist aus. Dieser dreistündige Abgesang aber klingt lange nach. Besonders, wenn wie jetzt, in der äußerst präzisen 57. Aufführung, ein Superaufgebot der Sängerinnen und Sänger zur Verfügung steht, um mit dramatischer Eleganz und berührender Sentimentalität betörend schön zu besingen, was es eigentlich zu betrauern gälte.

Elina Garanca ist der Rosenkavalier. Dieser Bub Octavian hat´s in sich. Kein Wenn und Aber zu solchem Gesang der klaren, mitunter rollengerechten, kühlen Linie. An Wärme und jugendlichem Überschuss mangelt es, wenn nötig, ganz und gar nicht. In ihrem Spiel als junger Mann wird diese Sängerin kaum zu übertreffen sein, präsent und auffahrend in der burschikosen Attacke, verletzlich und hilflos in der Erfahrung von Verlust, Verzicht, und Einsamkeit vor allem. Die Feldmarschallin der Michaela Kaune ist eine Überraschung. Wer bereit ist, endlich all die bombastischen hochdramatischen Missverständnisse, mit denen diese Partie in Gesang und Erscheinung belastet ist, zu vergessen, kann nur begeistert sein. Zu bewundern ist bei dieser Sängerin die lyrische Qualität einer jugendlichen Stimme, deren Facetten und Farben den Reichtum des Gefühls und der entsprechenden Verwirrungen dieser Person zu gestalten vermögen. Sehr direkt mitunter, dann wieder indirekt, andeutend, zurückgenommen, viel Pianokultur. Nicht zu vergessen die Übereinstimmung von Klang und Spiel.

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Berlin, Deutsche Oper: Richard Strauss, Der Rosenkavalier

Ort: Deutsche Oper,

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Gottfried Pilz (Bühnenbild), Götz Friedrich (Inszenierung), Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester), Elina Garanca (Solist Gesang), Michaela Kaune (Solist Gesang), Christine Schäfer (Solist Gesang), Peter Rösel (Solist Gesang), Markus Brück (Solist Gesang)

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