> > > > > 29.12.2007
Samstag, 19. Oktober 2019

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Tanzglück zum Jahresschluss in Dresden

Die starke Truppe, zart und genau

Die weihnachtliche ‘Nussknackerserie’ ging in Dresden mit einem Abend der Superlative, am 29. Dezember, zu Ende. John Neumeiers inzwischen klassisch und zeitlos zu nennende Frankfurter Version des Tschaikowskyballetts von 1971 hat in ihren nunmehr zehn Dresdner Jahren nichts von ihrer Präsenz verloren. Im Gegenteil. Gestern konnte man das Werk dermaßen frisch, elegant und vor allem in exzellenter Technik erleben, dass man meinte einer glänzenden Premiere beizuwohnen. Insgesamt hat das ‘Dresden SemperOper Ballett´ einen weiteren riesigen Schritt nach vorn, auf die internationale Ballettelite zu, gemacht. Mit Lust und Freude sieht man die Damen und Herren im Corps de ballet bei der Aufführung und staunt darüber, dass selbst ‘kleinere’ Partien, wie die des Konsuls und der Frau Konsul Stahlbaum, mit Britt Juleen und Oleg Klymyuk richtig ‘groß’ besetzt sind. Beiden begegnet man zudem im zweiten Akt in der sensiblen Exotik des Divertissements ‘La Fille du Pharaon’, wo auch Giselle Doepker als ‘Die Schöne von Granada’ ihrem Rollennamen alle Ehre macht. Carmen Piqueras als zerbrechlicher ‘Chinesischer Vogel’ sowie Ralf Arndt, Jan Oratynski und Fabien Voranger, diese springfröhlichen tanzenden Leutnants, seien stellvertretend für ein Ensemble genannt dessen immense Leuchtkraft sich aus der Vielzahl sprühender Funken eines fulminanten Feuerwerks speist.

In Hoch- und Bestform die Solistinnen und Solisten. Der hoch aufgewachsene Raphael Coumes-Marquet ist in seiner charmanten Eleganz,  gewürzt mit Humor und Ironie, ein Drosselmeier der Spitzenklasse. Zu einem Höhepunkt seiner Rollengestaltung wird die ‘Gigue’ mit Marie im zweiten Akt. Alexandra Lo Sardo ist in dieser Traumrolle weniger das naive Kind, eher ein junges Mädchen, das die Kinderträume hinter sich lässt und mit den ersten Schmerzen der Gefühle aufkeimender Erotik umgehen muss. Das vermittelt diese Tänzerin aus der Gruppe der Dresdner Coryphées berührend, sinnlich und tanztechnisch mit erstaunlicher, in die Höhe gerichteter, Leichtigkeit. Eine Entdeckung! Dass bei Olga Melnikowa als Ballerina doch immer noch einige Millimeter Bodenhaftung da sein müssen, lässt ihre so spitzenmäßige, dabei doch von Wärme durchflutete Tanzkunst, für Momente höchster Verblüffung glatt vergessen. Dmitry Semionow tanzt den Günther, Anführer der Kadetten, und ist ein wunderbar zeitgemäßer und erdhafter Typ, der mit seinen Sprüngen und Drehungen kunstvoll, niemals gekünstelt, pure Lebensfreude vermittelt und dabei höchst verschwenderisch Glückshormone versprüht. Da ist eine Generation von Tänzerinnen und Tänzern auf den Dresdner Semperopernbrettern versammelt, die mit ihren enormen technischen Möglichkeiten in keiner Weise protzen muss.

Die gemeinsame Lust an der Musikalität des Zusammenklanges ergibt die Kraft der Leichtigkeit dieses Abends, zu dem die Staatskapelle unter der Leitung von Davor Krnjak flink, pointiert, klangschön und wo nötig auch angemessen schmelzend musiziert. Nach Witwenkrach und Meistersingerverstimmung versöhnt das Ballett mit der ersten Hälfte der Saison und weckt große Neugier auf das neue Jahr, in dem eine Neuproduktion des Klassikers ‘Giselle’ angekündigt ist, die Wiederaufnahme der Erfolgsstory von der Widerspenstigen Zähmung, wie sie John Cranko bewegte und dazu ein neu kombinierter mehrteiliger Abend. Kurz, wer vorerst mal nicht hören will, kann sehen was sich unbedingt sehen lassen kann.

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Dresden SemperOper Ballett: Der Nussknacker

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Peter Tschaikowsky

Mitwirkende: Jürgen Rose (Bühnenbild), Dresdner Ballett (Ballettkompagnie), John Neumeier (Choreographie), Davor Krnjak (Dirigent), Jürgen Rose (Kostüme), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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