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Freitag, 22. November 2019

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Dorothea Röschmann und Magdalena Kozená

Ein Abend mit Beifallsstreit und anderen Tücken

Der Abend im ausverkauften Opernhaus beginnt, und der Ärger auch. Gerade haben die Sopranistin Dorothea Röschmann und die Mezzosopranistin Magdalena Kozená ihren Duettreigen mit Felix Mendelssohn Bartholdys ‘Ich wollt´ meine Lieb´ ergösse’ begonnen. Das Auditorium ist so verblüfft wie angetan und überrascht, vielleicht auch ein wenig überwältigt, durch den Sog, der oft von zwei sich mischenden Frauenstimmen ausgeht. Und schon kommt der Verdruss. Ein Teil des Publikums hat das Bedürfnis sofort nach dem ersten Duett Beifall zu geben, der andere nicht. Also klatschen die einen, die anderen zischen und empören sich. Eine mutige Dame und ein Herr erheben sich sogar, sie rufen in den Saal dass es doch Regeln gebe, und die um deren Einhaltung bitten. Dafür bekommen sie zwar Beifall, doch die munteren Gesangsschwestern nach ihrem nächsten Beitrag auch.
Es ist fatal. Die einen wissen nicht was sie falsch machen, wohnen sie doch einer Veranstaltung mit Weltstars in der Semperoper bei, die anderen wissen es dafür um so besser, fühlen sich gestört und sehen die Grundfesten der Kulturstadt unterm touristischen Ansturm wackeln. Irgendwann hat sich aber doch alles eingepegelt. Jetzt wird nur noch höflich geklatscht wo es die Programmfolge vorsieht. Aber die Stimmung ist hin. So richtig zufrieden scheint niemand mehr zu sein mit dem Abend, dessen reichhaltiges Programm etliche Kleinodien der romantischen Liedkunst, allein oder im Duett zu singen, bereit hält.


Auf Mendelssohn Bartholdys fünf Duette folgen sieben Lieder von Hugo Wolf nach Texten von Eduard Mörike. Sehr direkt, vor allem kräftig, werden sie von Dorothea Röschmann vorgetragen, der Eindruck bleibt zwiespältig. Es folgen Duette von Johannes Brahms, mit dem so launigen wie beliebten Stück von den schönen Schwestern, wiederum nach Mörike, oder dem deftigen Volkslied ‘Och Mod´r, ich well en Ding han!’. Humor und die Kunst feiner Zwischentöne sind aber weder so ganz die Sache der zunehmend angestrengter klingenden Dorothea Röschmann noch die der leicht lethargisch wirkenden Magdalena Kozená. Bevor die Mezzosopranistin vier weniger bekannte Lieder von Henri Duparc singt, machen uns beide Sängerinnen noch mit Duetten von Camille Saint-Saens, Charles Gounod und Gabriel Fauré bekannt. Sie beschließen den Abend mit fünf Stücken aus den mährischen Duetten von Antonín Dvorak. Eine Zugabe noch, und zwei Fragen vor allem, die unbeantwortet bleiben. Warum spielen eigentlich die Pianisten niemals ein Solostück als Zugabe? Von Malcolm Martineau, dem ausgesprochen versierten Liedbegleiter dieses Abends, hätte man sich’s gewünscht. Hält er das Geschehen doch ganz sicher beisammen, führt mitunter auch zusammen was sich trennen will. Zudem hält er gewinnenden, vor allem geduldig versöhnenden Kontakt mit dem Publikum und schafft mit seinen sensibel nachklingenden Passagen jene schönen Momente der Konzentration an denen dieser Abend so reich leider nicht ist.


Die andere Frage lautet ob sich nicht mancher Verdruss dieses Abends durch eine freundliche Eingangsmoderation, im Sinne charmanter Aufklärung ohne Belehrung, hätte vermeiden lassen können. Eifrige Programmheftleser und Kenner von Kunst und Sitte würden es ertragen, andere würden es vielleicht begrüßen und alle zusammen hätten weniger Verdruss. Das ganze kostet nichts und kann so schwer nicht sein. 

   

                      

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Kritik von Boris Michael Gruhl



Kontakt zur Redaktion


Sächsische Staatsoper Dresden, Semperoper : Weltstars in der Semperoper

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Felix Mendelssohn Bartholdy, Gabriel Fauré, Antonín Dvorák, Charles Gounod, Camille Saint-Saens, Hugo Wolf

Mitwirkende: Magdalena Kozená (Solist Gesang), Dorothea Röschmann (Solist Gesang), Malcolm Martineau (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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