> > > > > 20.07.2007
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Verona auf Gut Immling

Ein Hauch von Urlaubsflair herrscht, wenn man Gut Immling im Chiemgau erreicht. Idyllisch auf einer Anhöhe gelegen, thront das Anwesen inmitten von Pferden, Eseln und Ziegen – und wer erst einmal einen Sonnuntergang hier erlebt hat, der weiß um die besondere Atmosphäre, die im festivalreichen Kultursommer seinesgleichen sucht. Auf den Sonnenuntergang mussten die Besucher allerdings beim ‘Amore Mio – Tenorabend’ verzichten, eher kam das Wetter kurz vor Vorstellungsbeginn einem ‘Weltuntergang’ gleich. Zu schön wäre es gewesen, hätte der Open Air Abend a là Verona im Lichte des Sonnenuntergangs, umgeben von einer warmen Sommerbrise, zu neapolitanischen Liebensliedern- und Tenorarien, laut Programm stattfinden können. Stattdessen sorgten starker Hagel und Gewitter für eine halbstündige Verspätung für die ins Zelt verlegte Aufführung. Umso gespannter wurden die Stars des Abends erwartet: nicht die drei Tenöre, sondern sechs Tenöre (genauer: 5 Tenöre und ein Bariton) aus u.a. Mexiko, Peru und Aserbaidschan – Sänger, die auch in die diesjährigen Opernproduktionen eingebunden sind: Guillermo Dominguez, Aliakhmed Ibrahimov, Aliev Fayid, Avez Abdullayev, Enrique Ambrosio, Rafael Cavero. Noch unverbrauchte, meist junge Namen, von denen die Opernwelt sicherlich noch vom ein oder andern hören wird. Und alle Sänger boten hochwertig musikalisches Format. Allen voran brillierten die sonoren, warmen Stimmen von Aliakhemed Ibrahinov, oder Rafael Cavero, der mit seiner tief emotionalen, affektiven Interpretation des neapolitanischen Liebeslieds ‘Aprile’ das Publikum in spürbaren Bann zog. Bei der starken Sängerriege fiel allgemein das ‘Mitleben’, der Weltschmerz in ihren Arien, oder aber auch der feurige Esprit ihrer Lieder positiv auf.

Heiterer Sängerwettstreit

Ähnlich einem mittelalterlichen Sängerwettstreit traten die sechs Tenöre in jeweils vier Blöcken hintereinander auf. Im ersten Durchgang waren Publikum und Sänger noch leicht befremdet und irritiert vom ungewohnten Kulturformat mit Speis und Trank und Arien zwischen Klassik und Kommerz. Aber es dauert nicht lange ehe der Charme der gefühlsbetonten, kräftigen Stimmen das Publikum fesselte. In den vier Durchgängen reihten sich Arien wie die Blumenarie aus Bizets ‚Carmen’, oder ‘Dein ist mein ganzes Herz’ aus Franz Lehárs ‘Land des Lächelns’ an Broadway-Klassiker wie ‘May Way’ oder spanische Gassenhauer und einer italienischen Tarantella. Letztendlich war es ein besonderes Erlebnis: Sänger mit direktem Kontakt zu den Hörern, ohne distanzierendem Orchestergraben, eingerahmt von gastronomischen Freuden auf einem überschaubaren Raum, der dem Ganzen einen sehr privaten und familiären Duktus verlieh. Die Stimmung wurde immer besser, die Sänger sangen sich mit ihrem Belcanto-Schmelz ins Herz der Zuhörer, die prompt acht Zugaben forderten. Und als hierbei Intendant und Bass-Bariton Ludwig Baumann selbst noch im Chor der sechs Tenöre bei ‘O sole mio’ einstimmte, war der letzte, anfangs vielleicht skeptische, Gast von der Einzigartigkeit des Abends überzeugt.


AMORE MIO
www.immling-musikfestival.de/2007/index.html

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Kritik von Florian Lang



Kontakt zur Redaktion


AMORE MIO: „Six Tenors“ auf Gut Immling

Ort: Gut Immling,

Werke von: Georges Bizet, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Franz Lehár

Mitwirkende: Guillermo Dominguez (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernfestival Gut Immling Chiemgau

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