> > > > > 13.06.2007
Dienstag, 30. November 2021

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

80. Vorstellung “La Cenerentola” in Dresden

Rossini ohne Rossini

Da sprühten die Funken. Aber eben nur, weil die Inszenierung von Steffen Piontek im Finale einige bescheidene Feuerwerkseffekte vorgesehen hat. Bescheiden, vor allem so gut wie humorlos war diese Inszenierung in Martin Rupprechts beliebiger Ausstattung ja schon immer, aber in der 80. Aufführung seit der Premiere vom 2. Februar 1992 wirkt sie erschöpft auf der ganzen Linie. Das ganze Aschenputtel ist im Verlauf der Jahre aschgrau geworden.

Im zarten Einleitungsteil des Vorspiels machen die Damen und Herren der Staatskapelle beste Angebote, aber der für den erkrankten Pedro Halffter eingesprungene Ralph Weikert geht am Pult auf Nummer sicher, was Rossinis Melodramma giocoso in zwei Akten nicht sehr gut bekommt. Da kommt kein Spaß auf, von Spontaneität ganz zu schweigen, selbst so ein geniales Sextett, wie ‘Scusate amici’ bleibt eindimensional im Klangbild. Die Herren des Chores, nicht immer ganz im Takt, sollen zwar mitunter gelangweilte Höflinge spielen, aber das funkt nur, wenn man dabei so etwas wie Spielfreude entdecken könnte.

Die Damen Roxana Incontrera und Elisabeth Wilke müssen nach des Regisseurs Willen Spielwitz mit schlichtem Chargieren verwechseln, dazu gibt es einige scharf geratene Töne. Beider Vater, Michael Eder, bleibt steif im Klang, im Spiel hat er kaum Chancen. Da setzten die Herren Fabio Maria Capitanucci und vor allem Lawrence Brownlee doch schöner gesungene Passagen als Dandini und Don Ramiro ein. Lawrence Brownlee beschert sogar Belcantofunken mit seinem hellen, schlanken und sehr leicht ansprechenden Tenor. Als Angelina, Cenerentola, Aschenputtel, geschmähte Dulderin und am Ende gütige Meisterin im Verzeihen mit Musik, ist Carmen Oprisanu in die Dresdner Aufführung eingewiesen worden.

In dieser Partie kann sie nicht gänzlich überzeugen. Ihre Brillanz der Koloraturen bleibt ebenso zurückhaltend wie die herzliche Naivität in den lyrischen Passagen. Den Philosophen und Erzieher des Prinzen gibt Markus Marquardt eben so wie ein rechter Erzieher auch auftreten soll, nahezu unbemerkt. Schade, sehr schade, denn an heiteren Stücken herrscht in der ehrwürdigen Semperoper nicht gerade ein Überangebot.

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Dresden, Semperoper: Gioaccino Rossini, La Cenerentola

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Gioacchino Rossini

Mitwirkende: Ralf Weikert (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Roxana Incontrera (Solist Gesang), Elisabeth Wilke (Solist Gesang), Michael Eder (Solist Gesang), Lawrence Brownlee (Solist Gesang), Carmen Oprisanu (Solist Gesang), Markus Marquardt (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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