> > > > > 12.03.2007
Dienstag, 30. November 2021

1 / 5 >

Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Verdis „Don Carlo“ in Dresden

Am schönsten singt das Cello

Also auch der Diktator, der Betrüger, der Herrscher, der Unterdrücker hat ein Herz, ein weiches dazu, Gefühl sowieso. Wie anders kann sonst Giuseppe Verdi ausgerechnet Philipp II, König von Spanien, eine so sensible Arie schenken, dazu mit einem Vorspiel für Violoncello veredeln, deren Ausdruckskraft und Empfindungsreichtum in der nicht gerade kurzen Oper einzig ist. In Dresden kam das Werk in der vieraktigen Fassung zu Beginn der Intendanz von Gerd Uecker auf die Bühne. Damit begann eine Neubeheimatung des italienischen Repertoires in der Tradition der Semperoper, für die an erster Stelle der Name des Dirigenten Fritz Busch steht und die durch ihn verantwortete ‘Verdi-Renaissance’. Am Montag gab es die 20. Aufführung der belanglosen Inszenierung von Eike Grams mit Massimo Zanetti am Pult der Staatskapelle.


Das Haus ist ausverkauft, angekündigt war eine interessante Besetzung, wie üblich im Alltag des Opernbetriebes gibt es Umbesetzungen. Auf Luciana D`Intino als Eboli war man gespannt. Agnes Zwierko sang für sie und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Sie verfügt über eine kraftvolle Stimme, an Geschmeidigkeit für die Koloraturen mangelt es. Die rasende Dramatik der zweiten Arie liegt ihr mehr als die Raffinesse der Auftrittsszene. Marina Mescheriakowa singt die Elisabeth, an diesem Abend nicht ohne Probleme. Die Höhen sind knapp, überhaupt – sonst eine Sängerin mit Präsenz und stimmlicher Direktheit – hier unverständlich weit in der Zurücknahme.


Die Titelpartie gibt Zoran Todorovich. Fortune hat dieser Sänger. Energische Ausstrahlung auch. Sein Auftreten ist kraftvoll, sein Singen gerät mitunter in die bedenkliche Nähe eines Kraftaktes, Spitzentöne werden hochgedrückt und erreichen nicht immer ganz die vorgeschriebenen Positionen. Als Rodrigo, Marquis von Posa, war Andrzej Dobber angekündigt. Ebenfalls Absage wegen Erkrankung. Dalibor Jenis übernimmt und überrascht. Sein Bariton ist wohlgeformt und klingt gut in allen Lagen. Er hat Kraft und Volumen sich berührend zu verabschieden, mutig dem König entgegen zu treten und mit Carlos herzhaft in die Freundschaftsfanfare einzustimmen. Roberto Scandiuzzi ist ein Philipp von großem Format mit intelligentem Gespür für Auftreten und Musikalität. Kurz, aber von größter Eindringlichkeit bei gesanglicher Schönheit, die Passagen des Großinquisitors von Georg Zeppenfeld.
Alle weiteren Partien sind mit Dresdner Ensemblemitgliedern besetzt. Der Chor glänzt nicht durchgängig, Massimo Zanetti gelingen immer wieder aufregende oder berührende Passagen, aber die Spannung fällt auch immer wieder ab. Ein langer Abend, insgesamt etwas mühevoll.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Boris Michael Gruhl



Kontakt zur Redaktion


Giuseppe Verdi, Don Carlo:

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Giuseppe Verdi

Mitwirkende: Sächsischer Staatsopernchor Dresden (Chor), Massimo Zanetti (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Marina Mescheriakova (Solist Gesang), Zoran Todorovich (Solist Gesang), Roberto Scandiuzzi (Solist Gesang), Georg Zeppenfeld (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich