> > > > > 10.02.2007
Samstag, 22. Januar 2022

Johannes-Ostern

Aquaphon mit Pauken und Trompeten

Auch Sofia Gubaidulinas ,Johannes-Ostern’ konnte musikalisch nicht überzeugen. Teile des musikalischen Materials wurden aus der ,Johannes-Passion’ übernommen und so wie dort konventionell verwendet. Sofia Gubaidulina komponierte sehr bildhaft. Wenn von Engeln die Rede ist, dann erklingen, wie üblich, ,Pauken und Trompeten’. Das Böse tritt auf in der Verkleidung des Banalen. Es ist wieder einer der misslungenen Versuche, das ,Banale’ der heutigen Zeit als banal zu denunzieren, es als banales Geklangel in eine Komposition einzubauen. Das Ergebnis ist dann meist eine banale Komposition. ,Johannes-Ostern’ hatte ebenso wie ,Johannes-Passion’ erhebliche Spannungsprobleme. Der Text der Auferstehung war mit dem Text der Offenbarung montiert – und die Schrecken der Offenbarung waren in weiten Teilen ohne Möglichkeit der Steigerung im Fortissimo gehalten. Die Schlusswörter der Komposition ,Im Anfang war das Wort ...’ und ,Heilig, heilig ist Gott ...’ sind furchteinflößend vertont, das Werk lässt den Hörer vor der Macht des strengen Gottes schaudern. Das ist die Aussage der Komposition – irgendwann stehen wir alle vor dem jüngsten Gericht und dann – wehe uns! Gott kennt keine Gnade. Fein säuberlich teilt er die Welt in Gut und Böse! Das habt ihr verpasst, ihr Damen und Herren auf der 1. Empore Mitte, die ihr lauthals schwatzend noch das Fortissimo übertöntet! Ihr werdet es schon spüren!

Am interessanten war die Verwendung eines ziemlich unbekannten Instruments, so ungewöhnlich, dass die Komponistin ihr eigenes mitbringen musste. Ein Aquaphon – in Wasser getauchte Metallstäbe, die mit einem Bogen gestrichen werden. Es sieht ein wenig aus wie ein Vogelkäfig und hat einen sphärischen, jenseitigen Klang.

Man muss sich fragen, ob die Frauenkirche Dresden als Konzertort überhaupt geeignet ist. Für Orgelkonzerte sicherlich, die Orgel hat einen schönen, klaren Klang. Die ,Passion und Auferstehung Jesu Christi nach Johannes’ jedoch war ziemlich verwaschen. Da konnten sich das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, die Gächinger Kantorei Stuttgart und der Kammerchor der Musikhochschule Trossingen unter der Leitung von Helmuth Rilling noch so mühen, alles, was nicht solistisch geführt war, ging in einer großen, einzig von der Orgel übertönten Klangmasse unter. Das galt besonders für die vier Solisten: nur der glänzend aufgelegte und sehr präsente Bass Nicholas Isherwood konnte sich halbwegs durchsetzen, während Bariton Bernd Valentin fast und Tenor Corby Welch völlig unterging. Der Part der Sopranistin war zu kurz und gleichfalls zu übertönt, um hier eine Wertung abgeben zu können. Ein allgemeines Nachlassen der Konzentration im Vergleich zum Vortag war zu bemerken, die Einsätze der Chöre und Bläser waren oft unsauber.

Insgesamt passte die Musik zur Frauenkirche. Die Frauenkirche war die Kulisse der Musik, und die Musik die Kulisse der Frauenkirche.

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Kritik von Patrick Beck



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Konzerte in der Frauenkirche: Passion & Auferstehung Jesu Christi nach Johannes

Ort: Frauenkirche,

Werke von: Sofia Gubaidulina

Mitwirkende: Gächinger Kantorei Stuttgart (Chor), Helmuth Rilling (Dirigent), Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR (Orchester), Nicholas Isherwood (Solist Gesang), Bernd Valentin (Solist Gesang), Corby Welch (Solist Gesang)

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