> > > > > 22.11.2006
Freitag, 22. Januar 2021

Paavo Järvi trifft auf die Jugend

Werke voller Gegensätze

Begeisterter Applaus schon beim Erscheinen der ersten Orchestermitglieder auf dem Podium. Der Saal der 'Alten Oper Frankfurt' ist gefüllt mit Jugendlichen und die scheinen alle äußerst gespannt auf den Abend zu sein, so eine lockere Atmosphäre macht Vorfreude auf das Konzert. Auch die Begrüßung durch den HR-Mitarbeiter wurde dem Publikum angepasst, man spricht von einer  Rock-Konzert-Atmospäre und kündigt stolz die Welturaufführung eines Klavierkonzerts von Erkki-Sven Tüür an. Künstler aus dem Baltikum sind gern gesehene Gäste in Frankfurt/Main, seit Paavo Järvi sein Amt als Chef des HR-Sinfonieorchester übernommen hat. In Estland geboren, scheint ihm die Musik seines Heimatlandes am Herzen zu liegen. Zudem ist Tüür neben Arvo Pärt einer der bekanntesten Komponisten des Landes. Mit seinem Klavierkonzert wolle er die extremen Klangdimensionen des Flügels ausloten, erklärt der Komponist dem Publikum. Mit dem Solisten Thomas Larcher hat Tüür auch einen vorzüglichen Interpreten am Flügel. Das zwanzigminütige Werk zeigt Klangwellen verschiedener Stile, vom Wind- und Meeresrauschen bis hin zu Jazzelementen. Das Programmheft kündigt Konfrontationen zwischen Barockem und Minimalistischem, Archaisch-Rituellem und Improvisatorischem sowie Avantgardistischem an. Seltsamerweise verfliegt der Effekt des Gehörten schnell, dennoch gibt es viel Applaus für die Künstler und den Komponisten.

Nach der Pause dann Antons Bruckners siebte Sinfonie. Der Auftakt des ersten Satzes lässt aufhorchen, das Orchester musiziert mit viel Feingefühl und eine edle Phrasierung lässt hoffen, doch der Effekt verpufft schnell, eine musikalische Spannung kann langfristig nicht aufgebaut werden, die große Vision der Brucknerschen Klangwelten verflüchtigt sich immer wieder im Raum. Ein zartes Pflänzchen versucht sich zwar aufzurecken, zeigt auch einige Eruptionen voller Temperament, doch umsonst, der Vortragstil verflacht, man denkt an Hollywood und Filmmusik. Keine tonalen Gipfelstürme fordern den Zuhörer, das Musizieren gleitet in eine falsch gedeutete Sentimentalität hinab. Beim zweiten Satz, dem Adagio, für den der Komponist den Zusatz ‚sehr feierlich und sehr langsam’ verwendet hat, sind die breiten Tempi zwar angebracht und doch könnte auch dieser Satz etwas kantiger und dynamischer klingen. Im Laufe des Konzerts verliert der Klang des Orchesters – im Besonderen der der Bläser – immer mehr an Feinschliff, den sich Bruckner so wohl nicht gewünscht hat. 65 Minuten können lang sein, bei einem Klangerlebnis, das den Zuhörer nicht trägt und fordert. So kommentierten auch einige Jugendliche nach dem Konzert das Erlebnis als viel zu lang und mehr als das Attribut ‚schön’ war über die Brucknersche Sinfonie nicht zu erfahren. 

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Kritik von Midou Grossmann



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Ort: Alte Oper,

Werke von: Erkki-Sven Tüür, Anton Bruckner

Mitwirkende: Paavo Järvi (Dirigent), Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks (Orchester), Thomas Larcher (Solist Instr.)

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