> > > > > 22.03.2007
Dienstag, 11. Dezember 2018

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Zum Finale „Der Rosenkavalier“ – was sonst?

Ende gut. Strauss gut. Dresden gut.

Zwischenzeitlich drohte dem Kraftakt die Kraft auszugehen. Aber am Ende ist er gelungen, die Mühen waren sicher erheblich, aber der Erfolg und die Wirkung, die internationale zumal, sind nicht zu unterschätzen.

Mit drei fulminanten Aufführungen geht ein Dresdner Musikfest zu Ende. Am letzten Abend, beim ‘Rosenkavalier’, gibt sich das große Ensemble noch einmal voll dem Klangrausch hin und beschert uns ein glückliches Endspiel mit der Komödie vom großen Abschied. Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung in Christoph Schubigers Räumen aus dem Jahre 2000 wirkt in der 32. Vorstellung von allen vorangegangenen am besten gepflegt. Sicher gibt es immer wieder kritische Einwände die Oper aus der Zeit Maria Theresias in ein Wien der Phantasien im Look der 50ger oder frühen 60ger Jahre zu verlegen, und die ganze Gesellschaft gleich so tief abrutschen zu lassen, dass der letzte Akt in einem umdekorierten Keller spielt, der so etwas wie eine frühe Art schmuddeliger Kontaktkatakomben ist.


Was aber diese Produktion so frisch hält ist Laufenbergs gute Personenregie, Genauigkeit der Beziehungen und viel szenische Übereinkunft mit dem Gestus der Musik.    
Diese ist verschwenderisch, voller melodischer Kraft, hat zarte Tönungen, derbe fratzenhafte burleske Passagen und Ensembleszenen aus unlösbarem Geflecht der jeweils von elegant bis pikant charakterisierten Personen. Das ist für die Damen und Herren der Dresdner Staatskapelle ihre Oper. Mit der Uraufführung, am 26. Januar 1911, in der Semperoper begann der bislang letzte große Siegeszug einer Oper.

Unter der Leitung von Jun Märkl erklingt die Musik ganz irdisch und doch bisweilen himmlisch schön. Wer sagt denn, dass es immer ganz gefahrlos zwischen Himmel und Erde zugehen muss. Schmiegsam und schwelgerisch die bitteren Lyrismen des ersten Aktes, derb und grell die burlesken Szenen der Mitte und erst recht im dritten Akt mit all seinem Spektakel, um dann zum sublimen Klangempfinden vom Beginn zurückzukehren.  
Sophie Koch und Soile Isokoski als Oktavian und Marschallin sind erste, exzellente Vertreterinnen ihrer Partien, da bleiben keine Wünsch offen, lediglich der Mund vor Erstaunen ob solcher Gesangs- und Darstellungskunst. Sophie Koch kann mit der schönsten Selbstverständlichkeit den jungen Mann spielen, kann den ganzen Überschaum jugendlichen Überschwanges in ihre Stimme legen und auch das ganze zärtliche Verlieren früher knabenhafter Unschuld. Solche Leistung wie auch die von Soile Isokoski habe ich lange nicht gehört. Sie gibt der Marschallin helle Würde und dunkle Glut, Selbstbewusstsein und Schwäche zugleich, feinsinnig und nuanciert im Gesang.

Die Sopranistin Maki Mori ist in ihrer japanischen Heimat ein Star. Sie ist eine Sophie von ungewöhnlich zarter Gestalt und Stimme, aber gar nicht ohne Kraft und Widerstand, wenn es gilt den Ochs los zu werden. Den gibt Kurt Rydl, lustvoll als Schelm hinterm Faunsgesicht. Der ist bei seinem beschämenden Abgang noch nicht am Ende, der steigt noch tiefer. Stimmlich und spielerisch gelingt eine pralle Figur mit viel Charme und sinnlichem, kernigem, manchmal auch etwas knappem Bassklang. Übertrieben bis skurril, stimmlich klar und präsent, agiert Hans-Joachim Ketelsen als Faninal. Andrea Ihle als Leitmetzerin, Elisabeth Wilke und Timothy Oliver als pseudoitalienisches Intrigantenpaar geben ihren Rollen besondere, zuweilen herrlich schräge Züge. Zudem – und hier können nicht alle Namen genannt werden – wirft sich ein großes Ensemble ins Spiel dieser unterhaltsamen Aufführung.
Nach zehn Tagen Strauss, Strauss satt? Eine Pause ja. Und dann gerne wieder, zumindest so einen Dresdner Rosenkavalier. Auf jeden Fall was mit Schlagobers.



Dresdner Festtage - Richard Strauss
Camilla Nylund (Marschallin), Anke Vondung (Octavian) Camilla Nylund (Marschallin), Anke Vondung (Octavian), Kristinn Sigmundsson (Ochs) Anke Vondung (Octavian), Laura Aikin (Sophie)

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Kritik von Boris Michael Gruhl



Kontakt zur Redaktion


Dresdner Festtage - Richard Strauss: Richard Strauss, Der Rosenkavalier

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Jun Märkl (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Timothy Oliver (Solist Gesang), Elisabeth Wilke (Solist Gesang), Andrea Ihle (Solist Gesang), Hans-Joachim Ketelsen (Solist Gesang), Kurt Rydl (Solist Gesang), Soile Isokoski (Solist Gesang), Sophie Koch (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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