> > > > > 18.03.2007
Sonntag, 28. November 2021

1 / 5 >

Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

In Dresden singen Stars in Nebenrollen

“Die Frau ohne Schatten“ mit dunklen Schatten

Mit Absagen, Krankmeldungen und Umbesetzungen gehen die Dresdner Festtage Richard Strauss in ihre zweite Hälfte. Immerhin ist von einer lichtvollen Aufführung des Spätwerkes ‘Die Liebe der Danae’ zu berichten, in der jüngsten der zehn Inszenierungen. Im November 2005 hatte der Regisseur Günter Krämer seine zuweilen recht witzige Sicht auf die ‘heitere Mythologie in drei Akten’ mit Veränderungen von den Salzburger Festspielen nach Dresden transportiert. Am Pult damals Fabio Liusi, jetzt dirigiert Johannes Fritsch den sublimen Spaß, bei dem am Ende die Liebe goldener als Gold ist. Auch wenn ich mich anlässlich dieser Festtage wiederholen muss, der Star des Abends ist das Orchester. Johannes Fritsch sorgt für einen zügigen Verlauf, die musikalische Spannung bleibt bis zum Finale und die vielen filigranen Schönheiten der Partitur werden herausgearbeitet. Mit Wolfgang Newerla als Jupiter und Donald Kaasch als Midas stehen zwei ausgesprochen interessante Vertreter ihres Faches auf der Bühne, nicht so sehr als Vertreter der Stimm- und Klangwunder in den vertrackten Partien, mehr die das charaktervollen Musiktheaters. Sehr authentische Rollenporträts. Susan Anthony geht in ihrer Rolle als Danae wunderbar auf, ihre Präsenz ist von klarer und heller Fraulichkeit geprägt, Verletzlichkeit und Melancholie eingeschlossen. Gesanglich strahlt ihr Sopran in allen Lagen, ausgeglichen und sehr flexibel geführt ist sie das Ereignis des Abends.

Marquita Lister sang erkrankungsbedingt am folgenden Abend nicht die Partie der Salome, die übernahm Eva Johansson, ein Anlass nach den Erfahrungen in der Aufführung ‘Friedenstag’, eine Opernpause einzulegen.
Matthias Hennberg, Markus Butter und Christoph Pohl singen das Trio der Wächter in der Aufführung ‘Die Frau ohne Schatten’, eine inzwischen triste Inszenierung von Hans Hollmann in quietschiger Plastikausstattung rosalies von 1996. Hört man diesen Gesang der Wächter, dazu das Spiel der Staatskapelle unter der Leitung von Marc Albrecht, dann fragt man sich, was mag das für ein Opernhaus sein, das es sich leisten kann ‘kleine Partien’ dermaßen exzellent zu besetzen. Und das ist noch nicht alles. Frei und mit verführerischer Süße entfaltet sich der Tenor Gerald Hupachs als Synchronstimme für die Erscheinung des Jünglings, fest kommen die Fragen und Ansagen des Geisterboten von Matthias Henneberg, der auch noch mit Jacques-Greg Belobo und Tom Martinsen zusammen zu den versehrten Brüdern des Barak gehört. Schön mächtig lässt Sofie Lorenzen ihre ‘Stimme von oben’ erschallen. Alles Beispiele für großartige Leistungen an einem großen, langen Abend, die von unerhört gutem Niveau der musikalischen Basis des Dresdner Ensembles künden, zu dem auch die Damen Sabine Brohm als Stimme des Falken und Christiane Hossfeld als Hüter an der Schwelle des Tempels sowie Roxana Incontrera, Andrea Ihle, Birgit Fandrey Elisabeth Wilke, Angela Liebold, Heike Wommelsdorff und Carolin Graßnik als Stimmen verschiedner Unsichtbarer gehören. Nicht zu vergessen die Damen und Herren des Chores, unsichtbar aber gut zu hören. 


So uneingeschränkt kann die Zustimmung nicht ausfallen, geht es um das Ensemble der Gäste, die für die Realisierung der Hauptpartien engagiert wurden und in diesem Falle auch alle wie angekündigt kamen und sangen. Erleben wir da gerade den Abschied einer Generation von Sängerinnen, die dabei sein könnten wunderbare Erinnerungen und Eindrücke zu verändern? Vor Beginn des zweiten Aufzuges ließ Reinhild Runkel mitteilen, sie sei erkältet, nachdem im ersten Aufzug auch eine wahrhaft bedauernswerte Version der Amme von ihr präsentiert wurde. Luana DeVol hat als Färberin zwar noch immer auftrumpfende Töne, aber insgesamt ist ihr Singen stärker von Nöten als Schönheiten durchzogen.
Susan Anthony, bei grundsätzlicher Sicherheit, kann den Erfolg, den sie als  Dane ersang, nicht wiederholen, ihre Kaiserin bleibt wesentlich ärmer an Facetten und Farbnuancen.
Jon Ketilsson stürzt zu Beginn seines ersten Auftrittes, vor dem zweiten Aufzug lässt er sagen, dass er unter Schmerzen weiter singen werde. Das grundsätzliche Problem scheint aber für ihn darin zu liegen, dass die Dimensionen seiner angenehm klingenden Tenorstimme für die Ansprüche dieser Partie knapp sind. Das wird einfach vernehmbar – und gar nicht bei der Bewältigung extremer Höhen – wenn er nach dem von Yves Savary betörend schön gespielten Solo des Violoncello zu Beginn der Szene am Falknerhaus den Gesang fortsetzt. Fels in der Brandung, in Verzweiflung und Jubel, Alan Titus als Barak.


Aber welch Glück, das Werk hat Zwischenspiele, hat Passagen, die ganz dem Orchester vorbehalten sind. Und welch Glück dazu, dass mit Marc Albrecht ein Dirigent am Werk ist, der Klangfülle niemals mit Lärm verwechselt, der Süße, als Variante der Natur und Empfindung, nicht mit Sentimentalität als Produkt der berechenbaren Künstlichkeit verwechselt und der vor allem immer wieder energisch und unerbittlich das Maß des menschlichen in dieser komplexen Klangdichtung aufzuspüren weiß.


Dresdner Festtage - Richard Strauss
Szenenfoto "Die Frau ohne Schatten", Regie: Hans Hollmann, Ausstattung: Rosalie Szenenfoto "Die Frau ohne Schatten", Regie: Hans Hollmann, Ausstattung: Rosalie Szenenfoto "Die Frau ohne Schatten", Regie: Hans Hollmann, Ausstattung: Rosalie

Klicken Sie auf ein Bild von Dresdner Festtage - Richard Strauss, um die Fotostrecke zu starten (6 Bilder).

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Boris Michael Gruhl



Kontakt zur Redaktion


Dresdner Festtage - Richard Strauss: Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Sächsischer Staatsopernchor Dresden (Chor), Marc Albrecht (Dirigent), Hans Hollmann (Inszenierung), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Wolfgang Newerla (Solist Gesang), Roxana Incontrera (Solist Gesang), Andrea Ihle (Solist Gesang), Sabine Brohm (Solist Gesang), Tom Martinsen (Solist Gesang), Jacques-Greg Belobo (Solist Gesang), Gerald Hupach (Solist Gesang), Christoph Pohl (Solist Gesang), Matthias Henneberg (Solist Gesang), Eva Johansson (Solist Gesang), Marquita Lister (Solist Gesang), Susan Anthony (Solist Gesang), Donald Kaasch (Solist Gesang), Markus Butter (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich