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Dienstag, 30. November 2021

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Beethovenhalle Bonn, Copyright: Leonce49=Hans Weingartz

Beethovenhalle Bonn, © Leonce49=Hans Weingartz

Das Deutsche Symphonie Orchester Berlin in Bonn

Keine Angst vor großem Gefühl

Noch immer ist es in unserer postmodernen Welt ungewöhnlich, wenn eine Frau das Dirigentenpult betritt. Und natürlich fragt man sofort: Ist sie genauso gut, ist sie besser als ein Mann? Dass diese Frage überflüssig, dass es - ganz gleich ob Dirigent oder Dirigentin - nur darum geht gute Musik zu machen, bewies Anu Tali mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin am Sonntag beim Abschlusskonzert des Beethovenfestes.

Mit Prokofjews erster Symphonie (‘Symphonie classique’) wurde das Programm eröffnet. Tali scheute sich dabei nicht vor ganz großen Gesten und spätromantischen Gefühlsausbrüchen. Rührselig war ihre Interpretation der ersten jedoch nicht, wenn auch zeitweise zu klanggewaltig und üppig. Dennoch profilierte sich gerade der Prokofjew durch akkurates Zusammenspiel und durch sicht- und hörbare Spielfreude des Orchesters.

Maxim Vengerov  war  der  Solist von Mozarts viertem Violinkonzert. Souverän akkompagnierte auch hier das Orchester wobei die Balance zwischen Solist und Ensemble im 1.Satz des Solokonzerts nicht immer ausgeglichen war. Ex-Wunderkind Vengerov konnte in den Kadenzen und Eingängen  seine Virtuosität präsentieren, ließ jedoch ‘klassisches’ Stilbewusstsein größtenteils vermissen. Da  wirkten die Bogenstriche und -einteilung oft unüberlegt und nachlässig, seine Klangfarbe eintönig und von schwerer, heller Süße dominiert. Da schien das folgende Stück - Peter Tschaikowskys Valse op.34 -  schon viel besser zum Virtuosen zu passen, der mit technischer Brillanz, mit akrobatischen Läufen und Doppelgriffen begeisterte.

Als symbolischen Abschluss für das Beethovenfest bildete natürlich auch ein Werk des Bonner Komponisten – seine 2. Sinfonie - das Ende dieses Konzertes. Ähnlich wie beim Prokofjew erschuf Tali auch hier einen gewaltigen Klangkosmos, der jedoch geplante Struktur vermissen ließ. So entlud sich die Energie schon gleich zu Anfang, ohne die Spannung zu dem großen Höhepunkt zu wahren. Bereits zu Anfang verriet ihre Musik zu viel, nahm zuviel vorweg, verleugnete eine Struktur, den einen großen Höhepunkt zugunsten ständiger emotionalem Klanggehalt. Tiefe Glücksmomente konnten so allerdings nicht entstehen, auch wenn das Zusammenspiel zwischen Streichern und Bläsern eine wahre Ohrenweide war. In den letzten Sätzen droht Talis Klangkosmos einige Male auseinander zu brechen, was wohl daran lag, dass sie stets bemüht war, weite melodische Bögen zu spannen, anstatt mit der Organisation des Orchesterapparates beschäftigt zu sein.
Ein solides Konzert, das jedoch nicht durch Außergewöhnlichkeit oder tiefe Glücksgefühle bestach.

Kritik von Rebecca Vogels



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Abschlusskonzert Beethovenfest:

Ort: Beethovenhalle,

Werke von: Sergej Prokofieff, Peter Tschaikowsky, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven

Mitwirkende: Anu Tali (Dirigent), Deutsches Symphonie-Orchester Berlin (Orchester), Maxim Vengerov (Solist Instr.)

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