> > > > > 09.07.2011
Donnerstag, 20. Juni 2019

Daniele Gatti dirigiert Verdis 'Messa da requiem'

Analytische Interpretation

Alessandro Manzonis 1827 erstmals publizierte und im Geist des Risorgimento entstandene "Promessi sposi" zählen auch heute noch zu den wichtigsten Werken der italienischen Literaturgeschichte. Der Schriftsteller selbst spielt auch im Schaffen Verdis eine entscheidende Rolle, denn sein Tod am 22. Mai 1873 bewog den 60jährigen Komponisten seine 'Messa da Requiem' zu schreiben, die am ersten Todestag des Schriftsstellers aufgeführt werden sollte. Verdis Beschäftigung mit der Komposition einer Totenmesse reicht bis 1868, in das Todesjahr Gioachino Rossinis, zurück. Damals schwebte Verdi eine Koproduktion der zwölf wichtigsten italienischen Komponisten vor, die den Titel "Messa per Rossini" tragen sollte. Verdi vollendete sein 'Libera me domine' 1869; die für den 13. November im gleichen Jahr geplante Uraufführung der "Messa per Rossini" kam allerdings nie zustande. Dass Verdi vier Jahre später den Entschluss fasste, ein eigenständiges Requiem zu schreiben, ist umso erstaunlicher, da er sich mit Sakralmusik seit seinen ersten, über drei Jahrzehnte zurückliegenden Studienjahren nicht mehr auseinandersetzte. Und so darf man bei Verdis monumentaler Komposition auch keine Kirchenmusik im traditionellen Sinn erwarten, sondern zahllose opernhafte Passagen, die man dem Werk vor allem nördlich der Alpen oft übelnahm.

Danele Gatti zählt zu den Dirigenten, die nicht gerade zurückhaltend sind, wenn es gilt, mit Lautstärke Effekte zu erzielen. Doch beweist der Chefdirigent der Züricher Oper auch abseits des 'Dies irae' gestalterisches Potential, in dem er Momentaufnahmen der Partitur herausarbeitet, den großen Zusammenhang aber nicht verliert. Auf den Spannungsbogen der Aufführung wirkte sich auch positiv aus, dass Gatti diesmal weit zügigere und flüssigere Tempi wählte, als man bei ihm erwarten würde. Das Orchester der Züricher Oper bewährte sich in dieser mehr klug durchdachten als spontanen Interpretation als differenziert spielender Klangkörper, der abermals seine breite gefächerte stilistische Kompotenz bewies.

Relativ kurzfristig kamen dem Solistenquartett Barbara Frittoli und Francesco Meli abhanden, was sich auf den Gesamtendruck nicht gerade positiv auswirkte: Dies trifft vor allem auf Stuart Skelton zu. Er ist ein respektabler Tenor für dramatischere Partien mit einer tiefen Tessitura. Bei der 'Messa da Requiem' bringen ihn aber nicht nur zahlreiche hohe Phrasen in Bedrängnis; seine schmelzlose Stimme eignet sich grundsätzlich kaum für das italienische Fach. Fiorenza Cedolins vertrat die erkrankte Barbara Frittoli durchaus anprechend. Die nicht immer korrekt angepeilte Tonhöhe sowie diverse raue Töne sind bei der Sopranistin ein generelles Manko. Für Matti Salminen ist der Basspart eine schon mit recht großen Mühen verbundene Herausforderung, der er sich jedoch mit größtmöglichem Bedacht auf eine legatoreiche Phrasierung stellt. Marie-Nicole Lemieux singt und phrasiert die Mezzopartie ohne Probleme, allerdings auch ohne besondere Nuancen. So blieb es dem hervorragend einstudierten und in allen Stimmlagen homogen klingenden Chor- und Zusatzchor des Opernhauses vorbehalten,die vokalen Glanzlichter des vom Publikum dankbar aufgenommenen Abends zu setzen.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Verdi: Messe da Requiem: Opernhaus Zürich

Ort: Opernhaus,

Werke von: Giuseppe Verdi

Mitwirkende: Daniele Gatti (Dirigent), Marie-Nicole Lemieux (Solist Gesang), Matti Salminen (Solist Gesang), Fiorenza Cedolins (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernhaus Zürich

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