> > > > > 03.03.2008
Samstag, 28. Mai 2022

Franz Schubert

Das Tetzlaff Quartett mit Schönberg und Schubert

Faszination Streichquartett

Als Solist ist der Geiger Christian Tetzlaff auf allen großen Konzertpodien zu Hause. Der Umstand, dass er daneben auch eine ausgesprochenes Faible für das kammermusikalische Musizieren hat, führte ihn 1994 gemeinsam mit dem Musikerinnen Elisabeth Kufferath (Violine), Hanna Weinmeister (Viola) und Tanja Tetzlaff (Violoncello) zur Gründung des Tetzlaff Quartetts, das sich mittlerweile im In- und Ausland einen Ruf als hervorragendes Kammermusikensemble erwerben konnte. Am heutigen Abend gastierte das Tetzlaff Quartett vor einem leider recht überschaubaren Publikum im Alfried Krupp Saal der Essener Philharmonie und ließ sich bei dieser Gelegenheit mit den Streichquartetten Nr. 1 d-Moll op. 7 von Arnold Schönberg und Nr. 15 G-Dur D 887 von Franz Schubert hören – mit zwei enorm großen, interpretatorisch höchst anspruchsvollen Brocken also, die den Musikern gemeinhin ein Maximum an technischem Können und Konzentrationsfähigkeit abverlangen.

Bereits der Auftakt mit Schönbergs monumentaler einsätziger Großform elektrisierte: Ein durch und durch von romantischen Ausdrucksschattierungen beseeltes Werk erklang da auf der Bühne, eine Interpretation voller sinnlicher Momente, die auf intelligente Weise die Traditionslinien des 19. Jahrhunderts ins Licht rückte und sie den klanglichen Neuerungen gegenüberzustellen wusste. Das Tetzlaff Quartett zeigte dabei die Spannweite all dessen, was in den rund 45 Minuten Musik an Möglichkeiten und emotionalem Gehalt steckt und konnte mit manch einer Wendung überraschen. Es waren nicht nur die Augenblicke voll schwelgerischen Übermuts, die hier bisweilen zu rauschhafter Klangwirkung gesteigert wurden; es waren auch die zeitweise rasch wechselnden Schattierungen zwischen Ernst und Heiterkeit – Schönberg wirkt hier manchmal fast ausgelassen –, mit denen das Ensemble überzeugte. Die passagenweise atemberaubend dichte Dramatik wurde ebenso wie die fahl und kalt wirkenden Stellen durch das Ausloten dynamischer Grenzbereiche gestützt und in eine klug ausgearbeitete Wiedergabe der verzwickten formalen Dramaturgie eingebunden, so dass die Aufmerksamkeit für die musikalischen Ereignisse erhalten blieb, ohne dass der Sinn fürs Detail darunter litt.

Vielleicht eine der schönsten Leistungen des Tetzlaff Quartetts (und damit ein deutlicher Beleg für das hohe Niveau seines Musizierens) war die konstante klangliche Einheit, die – aus einem präzisen Zusammenspiel resultierend – auf Seiten der einzelnen Mitglieder aber durchaus auch in divergierende Richtungen modulationsfähig war. Hier zeigte sich auf eindrückliche Weise, wie das Ensemble als Ganzes im Sinne eines großen, 16-saitigen Instruments agierte, das seine Farbpalette bei Bedarf in sehr unterschiedliche Schattierungen aufspalten kann. Schuberts rund 50-minütiges G-Dur-Quartett erwies sich dafür als anschauliches Beispiel: Die Musik scheint hier generell mit der auf vier Instrumente beschränkten Besetzung zu hadern, drängt aufgrund ihrer Faktur ständig über diese hinaus, kommt so stellenweise fast mit orchestraler Wucht daher und bringt dementsprechend auch eine Vielfalt an interpretatorischen Deutungsmöglichkeiten mit sich.

Der im Spannungsaufbau vorbildlich umgesetzte Kopfsatz konnte einem förmlich Schauer über den Rücken jagen: Die in Akkorden mündenden Crescendi des Beginns wirkten wie von einem einzigen Instrument angestimmt und in den Raum gemeißelt, nur um gleich darauf um so wirkungsvoller zu der mit kaum hörbaren Tremoli unterlegten Themenpräsentation in weiten Registerkontrasten auseinandergefaltet zu werden. Überhaupt spielte die Herausarbeitung des von Schubert realisierten Kontrastprinzips eine zentrale Rolle: Der Nebeneinanderstellung von Dur und Moll, von schroffen Wendungen und schwelgerischen Kantilenen oder von dynamischen Kontrasten spürten die Quartettmitglieder bis in die Feinheiten der Tongebung nach, beleuchteten sie mit differenziertem Vibratoeinsatz oder bisweilen auch – wie im Trio des Scherzos – mittels entrückt wirkender Klanglichkeit. Dadurch verliehen sie dem Werk eine fast psychologisierende Komponente, durch welche die Musik bis zum Schlussakkord spannend blieb

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Kritik von Prof. Dr. Stefan Drees

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Tetzlaff Quartett: Werke von Schönberg und Schubert

Ort: Philharmonie,

Werke von: Arnold Schönberg, Franz Schubert

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