> > > > > 30.11.2007
Sonntag, 20. Oktober 2019

 Orchester der Deutschen Oper Berlin

Eugen D’Alberts Tiefland in Berlin

Strahleschaf trifft bösen Wolf

Als der Vorhang fiel und das Licht erlosch, brach euphorischer Jubel im Auditorium los, der der Aufführung eines Werkes galt, das seit 1951 nicht mehr in Berlin neu inszeniert worden war. Eugen D’Alberts einziger Opernerfolg ‚Tiefland’ galt lange als Adolf Hitlers Lieblingsoper und wurde demnach als politisch verdächtig gemieden. Zweifelsohne ist der Zweiakter über den Kampf von Gut und Böse, die Schlacht des Auserwählten und der Verdammten schwer dümmliche Kost. Strahleschaf besiegt bösen Wolf – erstaunlich, wie Librettist Rudolf Lothar das katalanische Original Terra baixa von Angel Guimerá zu einer nationalistisch verklärten Dichtung umbaute, das die sprachliche Qualität eines heutigen Disney Musicals hat. Wer hätte geglaubt, man würde die Küchenpoesie Richard Wagners doch einmal als hochwertige Dichtkunst betrachten ob Lothars dichterischer Grausamkeiten. Abgesehen von der wenig erquicklichen Handlung ist die Musik D’Alberts ein noch überzeugenderer Grund, Tiefland auch künftig von den Spielplänen der Musiktheatertempel fern zu halten. Wer die Kammermusik des gebürtigen Schotten schätz – wofür es ausreichen Grund gäbe – muss über das schaurig einfallslose ‚Tiefland’ mittelprächtig schockiert sein; Eklektizismus in Reinkultur. Etwas Debussy, ordentlich Wagner, ein wenig Puccini und fertig sind 150 Minuten Einfallsarmut. Wie ein riesiger ausgelutschter Kaugummi zieht sich das Werk endlos in die Länge und zeigt dabei wenig von D’Alberts kompositorischem Esprit, wie er noch in seinem Cellokonzert, dem zweiten Klavierquartett oder der herrlichen fis-Moll Klaviersonate zu finden ist. Die strukturellen Probleme mit der Großform Oper sind augenscheinlich: unentschlossen taumelnd zwischen volkloristischer Melodik und Wagnerscher Leitmotivik entsteht eine Musik ohne wirkliche Höhepunkte, ein ewig fließendes, Ermüdung erzeugendes Band - Siegfried Wagner lässt herzlich grüßen.

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Kritik von Frank Bayer



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Eugen D'Albert 'Tiefland': Schwab, Abel, Michael, Kerl, Silins, Wagner

Ort: Deutsche Oper,

Werke von: Eugen d´ Albert

Mitwirkende: Chor der Deutschen Oper Berlin (Chor), Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester), Yves Abel (Solist Gesang), Nadja Michael (Solist Gesang), Simon Pauly (Solist Gesang), Magnus Baldvinsson (Solist Gesang), Egils Silins (Solist Gesang), Jacquelyn Wagner (Solist Gesang), Torsten Kerl (Solist Gesang)

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