> > > > > 15.03.2007
Samstag, 17. November 2018

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

“Arabella“ bei den Festtagen Richard Strauss

Dresdner Opernfest im Zehnerpack

Richard Strauss und Dresden, zehn Opern des Meisters, davon die Hälfte am Ort ihrer Uraufführungen, in der Semperoper zu erleben, das lockt Opernfreunde aus der ganzen Welt. Weit über 200 Fans haben Zehnerkarten gebucht. Vom ersten Tag an internationales Flair. Man ist gespannt, die Erwartungen sind hoch, bei etlichen Opernpilgern dürfen getrost Wissen, Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten vorausgesetzt werden. Das tut Dresden gut.

 
Nach den eher verhalten aufgenommenen Aufführungen ‘Die schweigsame Frau’ mit Peter Schneider am Pult der Staatskapelle in der dümmlichen Zappelinszenierung von Marco Arturo Marelli aus dem Jahre 1998, und mit Hans-E. Zimmer als Dirigenten der einaktigen Oper ‘Friedenstag’ in Peter Konwitschnys deutsch-deutscher Versöhnungsvision mit abschließender Kirchentagsästhetik zu Mauerfall und Auferstehung der Toten von 1995, am Abend Drei des Festes als einzige Aufführung der ganzen Saison ‘Arabella’.

Zwar kann auch der zart-bittere Melodienrausch mit Operettensentiment, 1933 in Dresden uraufgeführt, letztes gemeinsames Werk mit Hugo von Hofmannsthal, das Auditorium nicht wirklich in Festtagsstimmung versetzten, gibt es doch schon ganz andere Töne zu vernehmen. Wie in beiden Aufführungen zuvor geben etliche Sängerinnen und Sänger des Ensembles bis in kleinste Partien recht hohe Maßstäbe vor. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die scharfen Koloratur- und Höheneskapaden von Roxana Incontrera als Fiakermilli entbehren jeder Art von Sinnlichkeit, von Humor nicht zu reden.

Aber, auch wenn die Inszenierung von Hans Hollmann aus dem Jahre 1992 in den Personalbeziehungen kaum wirkliche Akzente setzt, die Damen Andrea Ihle und Christa Mayer als Kartenaufschlägerin und Operettenmutter Adelaide bleiben innerhalb der ihnen auferlegten Klischees erstaunlich menschlich. Gleiches gilt von den Verehrern der Arabella Martin Homrich, Jürgen Hartfiel und Matthias Henneberg als Elemer, Dominik und Lamoral.        

Manchmal fallen Darsteller in den ‘Nebenrollen’ besonders auf, weil sie uneitel, dabei doch präzise ihre Episoden mit großem Einsatz spielen. Das gilt hier für den jungen Tenor Timothy Oliver als Zimmerkellner. 

Wolfgang Schöne in der Partie des Mandryka gibt den spätverliebten und schwer verunsicherten Provinzkrösus felsenfest und butterweich. Stimmlich hat er einiges zu bieten, der Sänger scheut kein Risiko, eine existenziell berührende Leistung, der ein paar Unsicherheiten keinen Abbruch tun können.      

    

Für die erkrankte Adrianne Pieczonka singt Riika Hakola aus Helsinki die Titelpartie. Sie ist von großartiger Erscheinung, gibt der Arabella dezenten Charme und spätmädchenhafte Ausstrahlung. Die Dimensionen ihrer unruhigen Stimme aber sind begrenzt zudem wird der helle Sopran in der Höhe eng. So kann sie nicht gänzlich überzeugen. Nach wie vor sehr überzeugend Ute Selbig als Zdenka, wenngleich bei gesanglicher Souveränität einige harte Töne nicht zu überhören sind. Das Publikum applaudiert ihr am stärksten und dazu Oliver Ringelhahn als attraktiven und spielgewandten Jägeroffizier Matteo. Stimmlich legt er einen passablen jugendlichen Tenorkraftakt hin, was offensichtlich Anklang findet. Unbedingt zu erwähnen, wie selbstverständlich wienerisch Michael Eder singend und spielend den unschlagbaren Lebensspieler Graf Waldner so wunderbar gewinnen lässt.
Die Staatskapelle mit Peter Schneider am Pult gibt eine exzellente Probe ihrer Musizierkultur, besonders wenn es darum geht den allzu eingängigen Passagen dieses Stückes Noblesse und Charakter zu geben.


Dresden, Semperoper
Szenenfoto "Arabella" Szenenfoto "Arabella" Szenenfoto "Arabella"

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Dresden, Semperoper: Dresdner Festtage Richard Strauss

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Peter Schneider (Dirigent), Hans Hollmann (Inszenierung), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Michael Eder (Solist Gesang), Oliver Ringelhahn (Solist Gesang), Ute Selbig (Solist Gesang), Wolfgang Schöne (Solist Gesang), Timothy Oliver (Solist Gesang), Matthias Henneberg (Solist Gesang), Jürgen Hartfiel (Solist Gesang), Martin Homrich (Solist Gesang), Christa Mayer (Solist Gesang), Andrea Ihle (Solist Gesang), Roxana Incontrera (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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