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Donnerstag, 22. November 2018

Die Gewinner der Beethoven Competition 2007 stehen fest

Fingerakrobatik

Die Würfel sind gefallen. Von 29 Pianisten, die vor zehn Tagen bei der Beethoven Competition angetreten waren, haben sich drei für das Finale qualifiziert. Gewinner sind alle drei. Schließlich erhalten die drei Finalisten ein nicht unbeträchtliches Preisgeld in der Höhe von jeweils 10.000, 20.000 und 30.000 Euro aus dem Säckel der Telekom AG.

Der Rahmen für das Finale der Beethoven Competition 2007 war festlich. Anders als die vorangegangenen Wettbewerbstage wurde dieses Ereignis in der Beethovenhalle ausgerichtet. Durch den Abend führte Sportmoderator Reinhold Beckmann. Der versuchte sich mit hemdsärmeligem Tonfall ausnahmsweise einmal an einem Kulturthema und gefiel sich, offenbar schlecht vorbereitet, auch in Grenzüberschreitungen: Mit Anspielungen auf das Sponsoring der Telekom im Radsport und einem Tonfall, der verdächtig nach Buffers Boxkampf-Ruf ?Let?s get ready to rumble!? klang, traf er weder den Ton der Veranstaltung noch den Geschmack des Publikums.

Zügig und schwungvoll

Als erster trat Dimitri Demiashkin zum Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur an. Mit großen Gesten und sichtlich entspannter Haltung griff Demiashkin den unbeschwerten Ton auf, den Roman Kofman mit dem Beethoven Orchester Bonn anstimmte. Sein federnder Anschlag und die geläufigen Verzierungen bewiesen Sinn für Nuancen, wenngleich sich Demiashkin im Finale weniger präzise als in den Vorrunden präsentierte. Das Adagio (mit Patzern im Blech) gestaltete der Pianist mit gehaltvollem Ton, setzte aber vorrangig auf Klangschönheit. Das Rondo gelang zügig und schwungvoll, insgesamt aber schwächer als die vorangegangenen Sätze, so dass mit dem letzten Takt schon absehbar war, dass es für einen ersten Platz nicht reichen würde.

Durchdachte Geschmeidigkeit

Ganz anders Yung Wook Yoo. Der Koreaner hatte sich Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll vorgenommen und setzte im Allegro gleich mit den ersten Ton leuchtende Ausrufezeichen. Schillernde Verzierungen, Brillanz, Mühelosigkeit, in Stein gemeißelte Phrasen und subtile Toneffekte. Im Largo erzeugte Yung Wook Yoo einen durchsichtigen Klang und setzte auf durchdachte Geschmeidigkeit. Im Rondo legte er an Intensität noch einmal zu und riss das Publikum mit Fingerakrobatik und virtuosen Effekten zu Begeisterungsstürmen hin.

Ausgerechnet im Finale nervös

Eine schwierige Vorlage für Keiko Hattori, die sich noch dazu das wenig dankbare Klavierkonzert Nr. 4 ausgesucht hatte. Im Dialog mit dem Orchester sah man die erfahrene Kammermusikerin im Allegro am Werk. Gekonnt nahm sie die Vorgaben des Orchesters auf und entwickelte ihre Motivarbeit bewusst aber immer wieder mit zu großer Zurückhaltung ? ein Umstand, der bereits im Verlauf des ganzen Wettbewerbs negativ ins Gewicht gefallen war. Das Andante profitiert hingegen von den lockeren Tönen, die sie in die bestimmten Akzente der Streicher einstreute. Silberhell geriet das Rondo. Leider zeigte sie auch da zu wenig Humor und kostete die Spannung des Finales nicht aus. Zum ersten mal im gesamten Wettbewerb schien Hattori ausgerechnet im Finale nervös.

Mehrfach gewonnen

Damit war das Ergebnis klar. Auch wenn die Entscheidung der Jury nicht leicht fiel, wie der künstlerische Leiter des Wettbewerbes, Pavel Gililov, charmant verkündete. Der erste Preis (30.000,- Euro) wurde an Yung Wook Yoo vergeben. Keiko Hattorei belegte den zweiten Platz (20.000,- Euro). Dimitri Demiashkin wurde der dritte Preis (10.000,- Euro) zuerkannt. Hattori gewann darüber hinaus noch beim Live-Voting des anwesenden Publikums und erhielt dazu den Preis für die Aufführung einer zeitgenössischen Komposition, sowie den Preis in der Kategorie Kammermusik. Diesen durfte sie sich allerdings mit David Meier teilen. Da war sich die Jury ausnahmsweise mit dem Publikum einig. Denn die Bonner hatten nicht nur für hohe Verkaufszahlen bei den CD-Aufnahmen des jungen Pianisten aus Lübeck gesorgt. Sie wählten Meier auch zum Solisten, der am 14. Dezember das Konzert im Beethovenhaus anlässlich des Tauftages des Komponisten gestalten soll.

Marke platziert

Telekomvorstand Dr. Karl-Gerhard Eick konnte zufrieden sein. Zehn Tage lang hatte man organisatorisch Großes geleistet, hatte Teilnehmer, Jury, Presse und Gäste betreut, organisiert, beraten und bis in die späten Nachtstunden gearbeitet. Es war ein Erfolg für den Wettbewerb, der sich als einer der führenden dieser Art etablieren will, und es war ein Erfolg für die Telekom, die es geschafft hat, ihre Marke erneut auf einem Kultur-Event zu platzieren. ?Die Telekom bringt Menschen zusammen, und auch Musik bringt Menschen zusammen? Das war das Motto, unter das Dr. Eick diesen Wettbewerb stellte. Für die Pianisten können solche Slogans aber zweitrangig sein. Sie haben sich tapfer geschlagen und werden hoffentlich auch weiterhin im Musikgeschäft eine Rolle spielen. Viel Glück!

von Miquel Cabruja

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