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Kritik zu ECM Records: Pärt, Arvo: Werke für Chor & Orchester

Energie & Kontemplation


Dr. Matthias Lange, 23.03.2009

Pärt, Arvo: Werke für Chor & Orchester
Label: ECM Records , VÖ: 06.03.2009
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Das Label ECM New Series hat sich dem Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt in der Vergangenheit vielfältig gewidmet. Es sind teils herausragende Aufnahmen mit wichtigen Interpreten der Musik des Esten entstanden, das engagierte Hilliard Ensemble sei beispielhaft erwähnt.

Jetzt liegt eine Platte mit jüngeren Aufnahmen des nach wie vor produktiven Pärt vor. Die sechs eingespielten Werke sind teils üppig dimensioniert, mit großer orchestraler und chorischer Besetzung. Beispiel dafür ist das einleitende 'In Principio‘ aus dem Jahr 2003: Pärt beginnt das fünfteilige Werk mit gewaltigen, statischen Akkordwiederholungen in den Vokalstimmen, begleitet von kraftvollen Fanfarenklängen und einem sich stetig ausweitenden Klangspektrum im Orchester. Auch in 'La Sindone‘ von 2005 gibt es eine relativ breite Ausdruckspalette, einen variableren Klang. Freilich fehlen hier auch die typischen Elemente des Pärt-Stils nicht – klar disponierte Ausdruckssphären, weite Flächen der Konzentration und Kontemplation, gedehnte Phrasen, intensive Klangatmosphären und charakteristische Besetzungen, etwa das Schlagwerk mit großer Trommel und Glocken.

Ein gutes Beispiel für diese ‚typischen‘ Stücke ist das für Chor und Orchester gesetzte 'Da pacem Domine‘ von 2004/2007: Es entstand auf Anregung Jordi Savalls unmittelbar nach den Anschlägen von Madrid im März 2004 und wird seitdem an jedem Jahrestag der Terrortat in Madrid aufgeführt. Pärt spannt hier sehr weite Bögen und intensiviert die Friedensbitte eindringlich und über den Text hinausgehend verständlich – das spiegelt sich auch darin, dass Pärt den Satz für sehr variable Besetzungen vorgesehen hat. So existieren auch rein instrumentale Varianten des Werks.

Echte Expertise

Mit dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor und dem Nationalen Estnischen Sinfonieorchester unter der Leitung von Tonu Kaljuste haben sich hochpotente Akteure dieser Werke angenommen. Beide Ensembles sind unter der Leitung von Kaljuste und Paul Hillier als Experten baltischer Gegenwartsmusik hervorgetreten und beweisen das auch auf der nun vorliegenden Platte: Es wird sehr präzis artikuliert, der Klang entfaltet sich mit Kraft und bewusster Kontrolle, das dynamische Tableau ist fein strukturiert, alle Klangeffekte werden sehr gezielt gesetzt. Alle beteiligten Ensembles intonieren stark, der Kammerchor ist in diesem Bereich schon in etlichen Aufnahmen als leuchtendes Beispiel hervorgetreten. Realisiert ist das alles in einem klaren, plastischen Klangbild, das auch größere Ballungen übersichtlich strukturiert und präsentiert.

Insgesamt ein interessantes Programm mit neuen, durchaus vielgestaltigen Arbeiten, die neben Konzentration und Kontemplation auch Pärts Klangsinn deutlich werden lassen.

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