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Details zu Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonien Nr. 38-41
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Kritik zu Linn Records: Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonien Nr. 38-41

Referenz auf leisen Sohlen


Tobias Pfleger, 07.03.2008


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Im gesegneten Alter von mittlerweile über achtzig Jahren, scheint der australische Dirigent Sir Charles Mackerras nochmals seine Meisterschaft bündeln zu wollen. Kürzlich erschien bei Hyperion ein sagenhaft spritziger Beethoven-Zyklus mit Referenzcharakter und nun legen die schottischen Kollegen des audiophilen Labels Linn Records mit einer Doppel-CD mit den vier letzten Mozart-Sinfonien nach. Und wieder hat man den Eindruck, der weise und immer noch tatkräftige Sir Charles Mackerras sei auf dem Höhepunkt seiner interpretatorischen Schaffenskraft angekommen, so konzentriert, energisch und dabei betont unaffektiert strahlt es einem aus jeder Phrase entgegen: Hier muss niemand mehr der Welt etwas zeigen oder gar beweisen, hier geht es einfach ums Musizieren, und das auf allerhöchstem Niveau. So gelingt gleichsam unter der Hand Mozart-Interpretationen, die man zu den überzeugendsten dieser Sinfonien zählen darf.

Keinerlei Schwächen

 

Auch hier nutzt Mackerras das fabelhaft disponierte Scottish Chamber Orchestra, mit dem er seit Jahren eng zusammen arbeitet. Die Musiker lassen sich auf die Direktiven scheinbar bedingungslos ein: Jede Phrase wird subtil gestaltet, man hört einen unglaublichen Reichtum an artikulatorischen Nuancen. Das ist nicht nur der exzellenten Wiedergabetechnik geschuldet, die den runden, aber transparenten Klang dieses Eliteensembles bravourös ins Wohnzimmer bringt, sondern vielmehr auf die Qualität des Orchesters zurück zu führen. Anders als Sir Roger Norrington dies mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart auf recht plumpe Art vorgemacht hat, findet Sir Charles bei Mozart eine Reichhaltigkeit an Färbungen, auch bezogen auf die Abstimmung zwischen den Satzschichten, die man ansonsten kaum zu hören bekommt. Hier werden die Blechbläser nicht keck nach vorne gezogen, sondern finden ihren angemessenen Platz im Ensembleklang, je nach Situation: mal grundierend, mal schmetternd.

Dabei schafft des Mackerras der Musik einen unwiderstehlichen Sog zu verleihen. Nicht allein durch flotte Tempi passiert das, sondern vor allem, weil er den Bogen nie abreißen lässt, ehe eine Zäsur erreicht ist; die Streicher machen das mit feinster Tongebung unmittelbar deutlich, schöner und feinfühliger kann man das musikalisch nicht gestalten. Vergleicht man diese Einspielungen mit den älteren, die Sir Charles mit dem Prager Kammerorchester produzierte, so fällt bei dieser neuen Aufnahme ein lockeres, subtileres Musizieren auf. Wollte der Australier vor einigen Jahren noch zeigen, welche Tempi bei Mozart angebracht sind, welche kontrapunktische Dichte sich etwa in der ‘Prager Sinfonie’, der Nummer 38 in D-Dur KV 504, versteckt, so ergibt sich das alles hier wie von selbst. Ohne auf die satztechnischen Kniffligkeiten mit dem Finger hinzuweisen, ergibt sich eine Fülle der Satzschichten, die auf scheinbar ganz natürliche Weise all die Kostbarkeiten der Mozartschen Sinfonie offenbart.

Dabei kommt dem Scottish Chamber Orchestra allerhöchstes Lob zu. Die Musikerinnen und Musiker intonieren nicht nur blitzsauber, sie sorgen mit einer so viel Fingerspitzengefühl bei der Artikulation (zweiter Satz der ‘Prager’, Finale der ‘Jupiter’!) für ein ebenso energische wie unprätentiöse Mozart-Interpretationen. Der Klang wird selbst im unteren dynamischen Bereich nie dünn oder bröckelnd, stets hält Mackerras die Spannung, um die Musik sich quasi aus sich selbst heraus entwickeln zu lassen. Dabei gelingen ihm Phasen, die den Atem stocken lassen, etwa jene, die in den letzten vier Sinfonien öfters auftreten, wenn die harmonische Auflösung mit pendelnden, chromatischen Bewegungen im Bass aufgeschoben wird: hier gelingt Mackerras das Kunststück, trotz des sehnlichen Erwartens der Auflösung die Zeit gleichsam still stehen zu lassen, den Aufschub selbst als Raum wirken zu lassen, in dem die Zeit aufgehoben scheint. Ein Schelm, wer bei solchen Stellen nicht Qualitäten wahrnimmt, die man eher mit Schubert assoziieren würde.

Dank solcher Momente, aber vielmehr noch dank der durchgehend erstklassigen Qualität im Interpretatorischen wie im Klanglichen darf diese Doppel-CD zu den erstklassigen Deutungen gezählt werden. Auf Sir Charles Mackerras ist Verlass.

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